Vegan auf Reisen

Michela Ivano
Michela Ivano

Name: Michela Ivano
Alter: 36
Beruf: Head of Projects & Escapology
Wohnort: Bremen
Reiseerfahrung: 5/5
Bisher unterwegs in: fast 70 Ländern (im Tourismus gearbeitet)
Reisebudget: moderat

Strand oder Berge, Sommer oder Winter – welcher Urlaubstyp bist du?
Tendenziell eher Sommer und Strand, ab und an mag ich aber auch die Berge.

Rucksack und Zelt oder Taxi und Hotel – wie reist du am liebsten?
Weder noch. Am liebsten schlafe ich in Homestays/Airbnb. Ich schätze den Kontakt zu Einheimischen und ihre Tipps.

Wie bereitest du dich auf eine Reise vor?
Inspiration hole ich mir immer noch gern von Reiseführern oder Magazinen. Für Essen vor Ort: Da können meist die locals des Homestays am besten helfen, sonst ist auch die Happy-Cow App immer sehr hilfreich gewesen. Tatsächlich packe ich mir für die Reise (Flug) und je nach Destination auch für den ersten Tag eine Notration Essen ein. Meistens Nüsse, Müsliriegel o.ä.

Hast du/würdest du auf Reisen etwas (geg)essen, was du zu Hause nicht essen würdest?
Nein. Wobei ich sagen muss, dass ich manchmal schon mit mir kämpfen musste und aus Höflichkeit etwas Vegetarisches (statt Veganes) gegessen habe, wenn es die Gastgebermama mühevoll selbst gekocht hat. Bisher lief es mit den Absprachen aber immer sehr gut und so konnte das vermieden werden.

Hand aufs Herz: Du bist im Urlaub, sitzt in der Sonne und vor dir steht ein unveganes Eis. Greifst du zu?
Nein. Bei Eis bin ich generell sehr picky. Ich esse Eis grundsätzlich nur in Italien, weil es da einfach am besten ist. Glücklicherweise gibt es dort in den meisten Eisdielen schon sehr viele vegane Optionen über Vanille, Schoko und Fruchteis hinaus. In Alghero auf Sardinien (der Heimat meiner Familie) gibt es wunderbares veganes Haselnuss- und Kaffee-Eis. Meine Lieblingssorten. Für alles andere lohnen sich die Kalorien nicht (lacht).

Hast du auf Reisen schon mal eine besondere Reaktion auf deine Ernährungsweise bekommen?
Sehr oft, eigentlich immer. Besonders lustig war es auf der Insel Boa Vista (Kapverden). Ich hatte von einem unscheinbaren kleinen Familienrestaurant gehört, wo es die beste Cachupa (Eintopf auf Gemüsebasis – regulär mit Fisch/Fleisch), das kapverdische Nationalgericht, geben sollte. Als ich es gefunden habe, bin ich rein und habe den jungen Mann am Tresen gefragt, ob wir für den Abend einen Tisch reservieren können und ob es die Cachupa auch ganz ohne Tier gibt. Er sah mich verblüfft an, fragte noch ein paar Mal nach, ob er mich auch wirklich richtig verstanden hatte und wusste nicht so recht wie er damit umgehen sollte. Erst meinte er, dass das eigentlich nicht möglich sei. Dann bat er mich kurz zu warten. Er rief jemanden an und bat uns dann, am nächsten Abend zum Dinner zu kommen. Es gäbe dann vegane Cachupa. Feierlich stellte er uns am nächsten Abend einen riesigen Topf frisch gemachter Cachupa auf den Tisch. Immer wieder erkundigten sich alle, ob es gut ist. Es war hervorragend. Wie bei Mama zu Hause. Es war auch sehr sättigend, aber aus Höflichkeit haben wir den gesamten Topf leer gegessen und sind anschließend in unsere Unterkunft gerollt. Als ich danach einem unserer Gastgeber davon erzählte, rief er alle seine Freunde dazu. Sie konnten es nicht fassen, dass jemand keine tierischen Produkte verzehrt und tatsächlich eine Cachupa ohne Fleisch/Fisch wollte und auch noch mochte.

Auf Sri Lanka ist vegetarisch ganz und gar nicht ungewöhnlich. Keine Milch und keine Milchprodukte hingegen schon. Wir hatten einen einheimischen Bekannten (ein Omni), der so lieb war mit uns die Insel zu erkunden und. Er erzählte immer ALLEN, dass ich so komisch bin und keine Milch mag. Das sorgte für viel Gelächter, was ich wiederum so lustig fand, dass es mir nichts ausmachte. Es war auch kein böses Lachen. Einige Tage später eröffnete mir unser Bekannter, dass er, durch mich als Vorbild, die nächsten Tage auch auf Tierisches verzichten wolle. Er berichtete immer wieder sehr detailliert darüber, was sich bei ihm körperlich alles besser anfühlte, inkl. Stuhldetails, die ich wirklich nicht benötigt hätte. Zu viel Information (lacht)! Eine Freundin, die mit mir unterwegs war, hat übrigens auf der Reise auch auf Fleisch und Fisch verzichtet und ist seither Vegetarierin geblieben.

In Bordeaux war ich mal mit Kolleginnen unterwegs, die unbedingt Austern essen wollten. Die gab es in allen Restaurants. Wir landeten in einem kleinen Restaurant, das nichts als Seafood auf der Karte hatte. Mental hatte ich mich schon darauf eingestellt mich von Brot mit Olivenöl zu ernähren, was mir auch nichts ausmacht, weil ich diese Kombi einfach liebe. Trotzdem erkundigte ich mich bei dem Kellner. Ohne zu zögern sagte er direkt: „Klar, wir machen dir etwas.“ Ich sah wie er zu einem kleinen Laden nebenan ging und mit Gemüse wieder raus kam. Ich habe mein frisches und wirklich köstliches Essen (Kartoffeln und Gemüse) zwar bekommen als alle anderen schon fertig waren, aber ich habe es doppelt und dreifach genossen. Es hat unfassbar gut geschmeckt. Die Kolleginnen schielten allesamt neidisch auf meinen Teller. Das war eine ganz tolle Erfahrung für mich, weil ein reines Seafood Restaurant in Frankreich einfach mal so, ganz selbstverständlich Gemüse eingekauft und es für mich zubereitet hat (und dann auch noch so lecker). Ohne genervtes Augenrollen, ohne Zögern, ohne mir das Gefühl zu geben „unnormal“ zu sein. Magnifique!

In Trinidad, auf Kuba, waren wir in einer Casa particular (Homestay) und die Gastgeberin, eine herzliche ältere Dame, bot uns an, das Abendessen für uns zuzubereiten. Wir hatten auf Anhieb eine Verbindung. (Da ich Spanisch spreche, saßen wir oft in ihrem Hof zusammen und unterhielten uns.) Meine Freunde wollten Fisch zum Dinner. Ich bekam Blancos y Moros (Reis und Bohnen), das Essen der Armen, wie sie mir erklärte. Viele Kubaner können sich häufig kein Fleisch und Fisch leisten. Sie sah mich liebevoll an und sagte: „Du (b)is(s)t wie wir.“

Was war das Tollste, das du auf Reisen gegessen hast, was das Scheußlichste?
Ich habe so oft, so gut im Ausland gegessen, dass ich mich gar nicht auf ein Gericht festlegen könnte. Richtige Streetfood-Falafel in Israel, grüne Bananen-Pancakes auf Bali, die Cachupa auf Boa Vista, Kürbis-Curry auf Sri Lanka, Favas in Portugal, Eis auf Sardinien, Burger in Barcelona, und vieles mehr.
Scheußlich ist übertrieben, aber die trockenen und alten Salatblätter, die mir mal auf Kuba vorgelegt wurden, waren jetzt nicht so der Kracher.

Vegan hin oder her, welches deiner Reiseerlebnisse ist eine Geschichte wert?
Alle. Nach und nach erzähle ich auf meinem Blog Gitalian World von all meinen Reiseerlebnissen. Reinschauen lohnt sich.