Plastikmüll – die kunterbunte Katastrophe

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Seevögel verenden mit Spielzeugfiguren im Bauch, die sie für Nahrung hielten – nur ein Aspekt des Desasters, das wir unseren Weltmeeren in den vergangenen Jahren beschert haben. Die Vermüllung der Gewässer durch Kunsstoff hat ein gigantisches Ausmaß erreicht. Sind unsere Ozeane noch zu retten?

 

 

Text-Auszug:

 

,So viele Quallen!‘, rief mein schottischer Freund. ,Ich hab einige Tausend gesehen!’“ Boyan Slat lacht, als er auf der Delfter TEDx-Konferenz von seinem Urlaub in Griechenland berichtet. „Da waren keine Quallen“, klärt der 19-jährige niederländische Student für Luft- und Raumfahrttechnik den Irrtum seines Tauch-Kumpels auf und wird wieder ernst. Denn was dieser gesehen hatte, waren Unmengen von Plastiktüten, die im Meer herumschwammen und die Sicht auf die Unterwasserwelt behinderten. Für den begeisterten Hobbytaucher Boyan Slat ein erschütterndes Signal, das ihn zum Nachdenken brachte – und zum Tüfteln. Dazu später mehr.

 

Theoretisch wissen wir alle um die Vermüllung der Ozeane, doch was das im Einzelnen bedeutet und wie erschreckend die Ausmaße sind, ist vielen nicht klar. Stündlich (!) werden weltweit rund 675 Tonnen Müll ins Meer geworfen, so eine Schätzung der internationalen Meeresschutzorganisation Oceana. Ein Großteil des Unrats – die Zahlen schwanken zwischen 50 und70% – besteht aus Plastik. Kaum verblüffend, wenn wir uns in unseren Supermärkten und Wohnungen umgucken: Lebensmittelverpackungen, Kinderspielzeug, Kleidung, Büromaterial, Telefone, Küchenartikel – Kunststoff, wohin man sieht! Seit gut einem Jahrhundert leben wir in einem Plastik-Zeitalter. Der Anfang versprach die Erfüllung vieler Träume: Beständiger als Holz, günstiger als Elfenbein, leichter als Metall, dazu geruchsneutral, leicht formbarund unzerbrechlich – das neue Material erleichterte den Alltag in vielerlei Hinsicht. Auf „Tupper-Partys“ wurde die neue Errungenschaft gefeiert und bald wollte sie niemand mehr missen.
1907 hatte der belgische Chemiker Leo Hendrik Baekeland1907 ein Patent für Bakelit angemeldet, den ersten vollsynthetisch her­ge­stellten Kunststoff. Wenige Jahrzehnte später hatte es sich bereits als Material für Isolationsmaterialien, Haushaltsgeräte und sonstige Gebrauchsgegenstände etabliert. Weitere Kunststoffe – z.B. Nylon und Teflon folgten, und ihr Siegeszug nahm stetig seinen Lauf. Erst während der Ölkrise in den 70er-Jahren wurden kritische Stimmen laut, doch die berühmt gewordene Forderung nach „Jute statt Plastik“ setzte sich nicht durch. Leider! Denn was einst als großer Vorteil von Kunststoff gesehen wurde – seine „Unkaputtbarkeit“ – erweist sich nun als Problem. Rund 200 Jahre braucht Plastik, um zu verrotten. Viel Zeit, um gewaltige Schäden anzurichten!

 

 

Feuerzeuge im Bauch!

Erschreckende Bilderdes Fotografen Chris Jordan von toten Albatrosjungen auf den nordpazifischen Midway Islands gingen bereits 2009 um die Welt: Die Küken waren mit vollem Magen verhungert, weil ihre Eltern sie mit unverdaubarenPlastikmüll-Stückchen gefüttert hatten, die sie für Nahrung hielten. Im Magen der verendeten Vögel fanden sich Feuerzeuge, Angelschnüre, Spielzeugfiguren, Flaschendeckel und vieles mehr – durchschnittlich 70 Einzelteile pro Tier!(www.chrisjordan.com/gallery/midway) Auch andere Seevögel sowie Robben, Delfine und Schildkröten fressen den Abfall oder verheddern sich darin und müssen qualvoll sterben. Plastiktüten können sich zudem in Korallen verfangen und ihnen so den Zugang zu Nahrung verwehren. Zu den wohl spektakulärsten bekannten Fällen gehört der zehn Meter lange Pottwal, der im März diesen Jahres an die spanische Küste gespült wurde und ganze 17 Kilogramm Plastikmüll im Magen, darunter eine riesige Plastikplane, Blumentöpfe und Teile von Gartenschläuchen.


Dies sind unmittelbare Folgen des Mülls. Dazu kommen Prozesse, die das Ökosystem des Meeres schleichend verändern. Durch Wellenbewegung und Lichteinfluss werden einige Kunststoffe brüchig und in immer kleinere Teilchen zersetzt, die zum Teil von Pflanzen (z.B. Algen) und sessilen Tieren (z.B. Seepocken) oder deren Larven besiedelt werden. So wird der Müll quasi in die Natur integriert, was zunächst sogar fast nach einer romantischen Lösung des Problems klänge, wenn es nicht weitere Probleme nach sich ziehen würde. Denn auf diese Weise können Organismen durch Meeresströmungen in fremde Ökosysteme gespült werden und dort einheimische Arten verdrängen.

 

Die winzigen Plastikteilchen ziehen außerdem Umweltgifte, die bereits im Meer sind, wie Magneten an. Davon abgesehen enthalten sie auch selbst giftige Chemikalien, die bei der Verrottung freigesetzt werden und die das Leben der Meerestiere ebenso beeinflussen wie das der Menschen. Allen voran Weichmacher Bisphenol A (BPA), von dem wohl nahezu jeder von uns bereits einiges im Blut hat – aufgenommen zum Beispiel über Getränke und Lebensmittel aus Plastik­flaschen und Konserven, deren Innenbeschichtung häufig BPA enthält. Studien zufolge lassen sich im Urin von über 90% der US-Amerikaner Spuren davon nachweisen. Die Zahlen für Deutschland dürften ähnlich aussehen. Unter anderem soll der Stoff die Hirnreifung von Kleinkindern schädigen, krebserregend sein und unfruchtbar machen (…)

 

Den ganzen Artikel gibt’s in der Oktober/November-Ausgabe 2013 ab Seite 18!