Biovegane Landwirtschaft – ist deine Gurke wirklich vegan?

Ist deine Gurke vegan?

Biovegan oder gar biozyklisch-vegan? Das klingt nach hochambitioniertem Hipster-Gericht, alles Gute auf einmal. Wer sich jedoch vom Begriff nicht überfordern lässt, entdeckt ein faszinierendes Landwirtschaftsmodell – mit enormem Zukunftspotenzial.

von: Katharina Weiss

Als ein gewisser Adolf Hoops 1953 in der Lüneburger Heide seinen biologischen Gartenbaubetrieb eröffnete, hatte er wohl schon eine grobe Ahnung, dass die Landwirtschaft auf Probleme zusteuerte. Heute weiß jeder, dass sie in Problemen schwimmt. Pestizidschäden, Insektensterben, Monsanto-Saatgut – die Negativmeldungen reißen nicht ab. Die biologisch-organische Landwirtschaft versucht, viele dieser Probleme – mit Erfolg! – auszuräumen. Doch auch sie fußt auf einem Aspekt, um den die Debatte um Umweltbelastung, Klimaschäden und auch Ethik zunehmend kreist: die Nutztierhaltung. Die renommierte FAO errechnete 2006, dass 18 Prozent der Treibhausgasemissionen auf Nutztierhaltung zurückgehen. Das ebenfalls hoch angesehene Worldwatch Institute erhöhte die Rechnung sogar auf 51 Prozent. Und dann wären da noch weitere Gefahren: wie etwa multiresistente Keime, die über Gülle als Dünger aus der Nutztierhaltung auf dem vermeintlich gesunden Salat landen können.

Doch die Landwirtschaft hat, ob konventionell oder bio, sogenannte Nutztiere fest in ihren Kreislauf integriert. Auch ihren Tod, zumeist im Schlachthof. Gemüse und Obst werden, wenngleich nicht mit chemischen Substanzen, auch im Bioanbau mit tierischem Material, mit Gülle oder Tierkörpermehl, gedüngt, heißt: in Abhängigkeit von Nutztierhaltung produziert. Und so stellt sich für manche*n die Frage: Ist meine Gurke dann wirklich vegan?

Da rüttelt seit einigen Jahren ein aufsehenerregender Ansatz an diesen Grundfesten der Landwirtschaft und behauptet: Wir brauchen gar keine Tiere. Und ja: Wir können neben veganen Produkten auch eine vegane Produktion bieten. Biovegan nennt sich die Idee im Allgemeinen, die Nutztiere aus dem Produktionskreislauf ausschließt. Biozyklisch-vegan hingegen heißt das zunehmend organisierte Konzept, das sich auf „Öko-Pionier“ Adolf Hoops beruft und viele weitere Erfahrungen im Bioanbau in Griechenland sammeln konnte. Hier wirtschaften derzeit bereits ca. 80 Betriebe nach den sogenannten Biozyklisch-Veganen Richtlinien. Zu diesen gehören: kein Einsatz von Dung oder anderen tierischen Betriebsmitteln, Pflanzenschutz durch Humusaufbau, Förderung der Artenvielfalt. Und tatsächlich ist dieses Modell nicht nur ambitioniert, sondern auch ein handfester Versuch nachhaltiger, zukunftsfähiger Landwirtschaft, wie unsere Interviews mit den Experten zeigen.

2016 hat sich in Deutschland BIO.VEG.AN., Biozyklisch-Veganer Anbau e.V., gegründet. Neben Landwirten und Tierschützern ist auch ein Unternehmen wie Landgard, einer der größten Vermarkter von Obst und Gemüse in Deutschland, mit von der Partie. Und dies lässt erahnen, dass biovegan bzw. biozyklisch-vegan drauf und dran ist, aus seiner bislang als „spinnert“ betrachteten Ecke zu treten und den Nahrungsmittelmarkt aufzumischen. Tatsächlich gelang dem biozyklisch-veganen Netzwerk jüngst ein großer Schritt in Sachen Vermarktung: eine eigene Zertifizierung. Biozyklisch-vegan ist nun von der IFOAM regulär als internationaler Biostandard anerkannt. „Jetzt hat das Kind offiziell einen Namen“, freut sich der biovegane Landwirt Daniel Hausmann: eine Orientierung für interessierte Verbraucher*innen, die wirklich vegan einkaufen wollen. Bis freilich biozyklisch-vegane Waren bei uns weithin verfügbar sind, wird noch ein wenig Zeit vergehen. So lange hilft ein Blick ins Internet: Schon jetzt versenden einige Betriebe wie der der Hausmanns biovegan produziertes Gemüse in der Biokiste – wirklich vegane Gurke inklusive.