Schon auf den Trichter gekommen?

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Einmal im Monat, wenn wir an unsere Fruchtbarkeit erinnert werden, greift Frau zu Tampons und Binden. Mittlerweile erobern allerdings bunte Alternativen aus Silikon den Markt, die zugleich eine neue Offenheit zum Thema „Menstruation“ einläuten: Menstruationstassen …

Von: Caroline Redka

Bei den einen kommt Tante Rosa zu Besuch, bei den anderen die Bloody Mary, wieder andere haben ihre Erdbeerwochen, die Tage oder Periode. Sie bluten stark oder wenig, haben Schmerzen oder spüren nur ein leichtes Ziepen im Unterleib. So weit, so vielfältig die Monatsblutung, die „natürlichste Sache der Welt“, mit der jede Frau auf diesem Planeten zu tun hat oder hatte. Offen über dieses Thema zu sprechen ist allerdings vielerorts immer noch ein Tabu, gilt die Periode stellenweise als abstoßend und anstößig und wird in einigen Glaubensgemeinschaften als unrein betrachtet, was eine gesellschaftliche Diskriminierung der Frau zur Folge hat. Nichtsdestotrotz hat sich vor allem im vergangenen Jahr hinsichtlich eines öffentlichen Diskurses um die Menstruation einiges getan: Das Frauenmagazin Cosmopolitan nannte das Jahr 2015 „das Jahr, in dem die Periode öffentlich wurde“, Künstlerinnen wie Rupi Kaur oder Sarah Levy’s sorgten gleichermaßen für Furore und Begeisterung, indem sie ihr Menstruationsblut öffentlich zur Schau stellten und auch in der Presse und den sozialen Medien wird der immer noch anhaltende „Menstruations-Trend“ deutlich – Tabus werden gebrochen, Schamgrenzen überschritten.

Gleichzeitig beginnen immer mehr Frauen, Hygieneartikel, die sie benutzen, kritisch zu hinterfragen und Alternativen auszuprobieren. Das stetig wachsende Interesse an ökologischen, nachhaltigen Produkten, spiegelt sich mittlerweile nicht nur in der Nachfrage nach entsprechenden Lebensmitteln oder Kleidungstücken wider, sondern auch in einer Hinwendung zu Bio-Tampons und -Binden, Menstruationstassen oder der freien Menstruation. Und das zu Recht! Konventionelle Damenhygiene-Produkte bestehen zu einem Großteil aus Viskosewatte und Baumwolle, die oftmals genmanipuliert, chemisch gebleicht und mit Schadstoffen wie Glyphosat in Berührung gekommen ist. Auch Formaldehyd wurde neben anderen Dioxinen von der Stiftung Öko-Test in mindestens zwei gängigen Produkten gefunden. Da die Schleimhäute der Vagina besonders stark resorbierend sind, gilt es gerade in diesem Bereich jedwede toxische Belastung zu vermeiden, die dazu führen kann, dass Giftstoffe in den Blutkreislauf gelangen und im schlimmsten Fall zu einem sogenannten „Toxischen Schocksyndrom“ (TSS) führen.

Die Österreicherinnen Annemarie Harant und Bettina Steinbrugger haben aus diesen Gründen eine Plattform erstellt, auf der Frauen sich über alternative Hygieneprodukte sowie zahlreiche Themen rund um die Menstruation informieren können und individuell beraten werden. „Erdbeerwoche“ (www.erdbeerwoche.com) heißt das Projekt, in dem vor allem ein bestimmtes Produkt im Fokus steht: Die Menstruationskappe. Eine bereits in den 1930-er Jahren erfundene Alternative zu Tampons, die, weil sie das Blut auffängt und nicht aufsaugt, eine Austrocknung der Scheidenflora verhindert, Müll vermeidet (ca. 16.800 Binden und Tampons verbraucht eine Frau durchschnittlich in ihrem Leben) und noch dazu Geld einspart. Letzteres, so Annemarie, sei wohl der Grund dafür, dass sich Tampons letztlich auf dem Markt durchgesetzt hätten: „Die Industrie hat selbstverständlich großes Interesse daran, dass sich ein Produkt immer wieder verkauft. Wer eine Menstruationstasse besitzt, der weiß, wie langlebig sie ist“.

Aber was genau ist das eigentlich, die sagenumwobene Menstruationstasse/-kappe, auch Mooncup genannt? Wie der Name bereits erahnen lässt, handelt es sich dabei um einen ca. fünf Zentimeter langen, kelchförmigen Becher, der aus einem sehr weichen Silikon gefertigt ist und in die Scheide eingeführt wird. Nach dem Entfernen wird das Blut ausgegossen und die Kappe ausgekocht oder desinfiziert. Da Menstruationskappe allerdings nicht gleich Menstruationskappe ist, empfiehlt es sich, beim Kauf unbedingt zweimal hinzusehen und nicht zu einer X-beliebigen Variante aus dem Drogeriemarkt greifen. „Die Menstruationstasse“, so Annemarie, „sollte unbedingt aus zertifiziertem, medizinischen Silikon bestehen und frei von Latex, PVC, Bisphenol-A und ähnlichen Weichmachern in der EU hergestellt worden sein. Wir selbst verstehen uns als ein Gütesiegel für Damenhygieneprodukte und empfehlen nach langer Prüfung entweder das Produkt von Lunette oder aber den Lady Cup. Diese Modelle haben uns aufgrund ihrer strengen Zertifizierung und Langlebigkeit überzeugt“. Wer den kleinen Becher testen möchte, aber noch etwas unsicher ist , was die Anwendung betrifft, der findet in den Expertinnen Annemarie und Bettina verständnisvolle Ratgeberinnen: „Es dauert mindestens ein bis zwei Zyklen, bis man sich vollständig an die Menstruationstasse gewöhnt hat. In dieser Zeit ist es wichtig, einen Ansprechpartner zu haben, falls Fragen oder Unsicherheiten auftauchen“.

Die Menstruationstasse – eine hygienische und sowohl die Umwelt als auch den Geldbeutel schonende Alternative zu konventionellen Hygieneprodukten. Vor allem für Frauen, die in Ländern mit stellenweise problematischen Hygienestandarts leben, wird die Kappe oft als eine „Rettung der weiblichen Hygiene“ gehandelt. Annemarie äußert sich diesbezüglich eher kritisch: „Wir waren mehrere Wochen in Indien unterwegs und die meisten Frauen dort benutzen grundsätzlich keine Tampons, dementsprechend ist es auch schwer, sie davon zu begeistern eine Menstruationstasse einzuführen. Wir sehen einem schnellen Erfolg der Menstruationskappen vor allem in den ländlichen Regionen dieser Länder eher skeptisch entgegen. Erstens ist es oft ein religiöses Problem, sich selbst anzufassen und in einigen Ländern bedeutet die Monatsblutung für Frauen sogar, dass diese das Haus nicht betreten dürfen und in sogenannten Menstruationshütten schlafen müssen. Jedes fünfte Mädchen aus dem ländlichen Raum Indiens wird während seiner Tage aus der Schule genommen, weil es keine entsprechenden Hygieneprodukte gibt, die die jungen Frauen schützen. An solchen Stellen muss zunächst eine adäquate Aufklärungsarbeit geleistet werden, bevor wir ansässige Frauen mit solchen Produkten vertraut machen können“.

Es ist wichtig, dass Frauen über ihren Körper Bescheid wissen, sich ihrer Menstruation und den damit verbundenen Begleiterscheinungen nicht schämen und ihr Bewusstsein dafür schärfen, was ihrem Körper gut tut und was nicht. Im Durchschnitt 3000 Tage verbringt eine Frau in ihrem Leben menstruierend. Tage, an denen es möglich sein sollte, auf ein Produkt vertrauen zu können, das ihr die Sicherheit gibt, den Körper nicht zu belasten, sondern ihn zu unterstützen.

Fotocredit: erdbeerwoche