Die Lehre der Ayurveda-Typen

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Welcher Ayurveda-Typ bist du?
(c) Chris Ensey on Unsplash

Was genau ist Ayurveda eigentlich?

Ayurveda stammt aus Indien, ist dort (und auch in Nepal oder Sri Lanka) bis heute weit verbreitet und gilt als älteste ganzheitliche Gesundheitslehre der Welt, manche nennen sie auch die „Mutter der Medizin“. Sie ist Teil der vier heiligen Schriften („Veden“) des Hinduismus. Die frühesten bekannten Aufzeichnungen zum Thema sind etwa 3.000 Jahre alt, die Ursprünge der Heilkunde sollen jedoch schon sehr viel weiter zurückliegen, Schätzungen zufolge etwa 5000 Jahre. Übersetzt bedeutet das Sanskrit-Wort Ayurveda so viel wie „Wissen vom Leben“ („Ayus“ = Leben, „Veda“ = Weisheit) und damit wird bereits deutlich, wie umfassend der Ansatz ist. Denn Leben, das beinhaltet alles – Körper, Seele und Geist. Diese drei Komponenten in Einklang zu bringen, ist das erklärte Ziel ayurvedischer Kuren bzw. eines ayurvedisch geprägten Lebens, und so definiert sich dort auch Gesundheit. Die Stärkung des Körpers ist ebenso wichtig wie seelische Zufriedenheit. Im Grunde kein Wunder, dass wir uns in unserer schnelllebigen und burnoutgeprägten Zeit danach sehnen, uns wieder auf diese so schlichte wie wichtige Erkenntnis zu besinnen.

Luftikus oder Hitzkopf – welcher Typ bist du?

Eine der wichtigsten, wenn nicht gar die wichtigste Regel besagt, dass jeder Mensch eine ganz individuelle Konstitution mit sich bringt und dementsprechend sein Leben auch so gestalten sollte, wie es für ihn richtig ist – nicht für die Nachbarin oder den besten Freund. „Des einen Gift, des anderen Medizin“ lautet ein berühmtes Zitat aus den alten Überlieferungen. Bei aller Betonung der menschlichen Komplexität und Einzigartigkeit bringt aber auch Ayurveda etwas Ordnung ins Chaos und kommt nicht ohne Regeln und Systeme aus: So geht man von drei Grundkräften aus, die jeder Organismus in sich vereint und aus denen wiederum sieben konstitutionelle Grundtypen folgen – zum einen die singulären, bei denen eine Kraft überwiegt, zum anderen duale oder Dreifach-Typen. Vata, Pitta und Kapha heißen die drei energetischen Systeme („Doshas“), die sieben Typen wiederum entsprechen jeweils diesen beziehungsweise sind Mischformen davon.

Ein knapper Überblick:

Typ Vata: Menschen dieses Typs sind eher zart gebaut, haben trockene Haut und einen unregelmäßigen Appetit. Sie sind kreativ und sensibel, neigen zur Hyperaktivität, begreifen (aber vergessen auch) schnell und haben häufig wechselnde Phasen von körperlicher und geistiger Energie beziehungsweise Erschöpfung. Ihr zugeordnetes Element ist die Luft, ihr Grundprinzip Beweglichkeit.

Typ Pitta:

Pitta-Typen haben einen eher durchschnittlichen bis athletischen Körperbau, glänzende, zu Rötungen neigende Haut, einen gesunden Appetit und eine gute Verdauung. Sie sind unternehmungslustig, ehrgeizig und scharfsinnig, können in Stressphasen aber auch heftige Wutausbrüche haben. Ihnen sind die Elemente Feuer und Wasser zugeordnet, ihr Grundprinzip beinhaltet Wandlung.

Typ Kapha:

Menschen mit einem hohen Kapha-Anteil sind eher robust und schwer gebaut, haben volles Haar, sind liebevoll, ausgeglichen und ruhig – bis hin zur Trägheit. Sie können sich gut anpassen, lernen eher langsam, sind dafür mit einem guten Langzeitgedächtnis gesegnet. Dieser Typ steht für Stabilität und ist den Elementen Wasser und Erde zugeordnet.

Typ Vata-Kapha bzw. Kapha-Vata:

Solche Menschen sind in der Regel groß und athletisch, haben einen starken Bewegungsdrang und eine weitaus höhere Sensibilität als man ihnen auf den ersten Blick zutraut. Sie begreifen schnell und haben ein gutes Gedächtnis.

Typ Vata-Pitta bzw. Pitta-Vata:

Ein rastloser Geist – schnell zu begeistern, äußerst aktiv und intensiv lebend bis hin zur totalen Erschöpfung. Dieser Typus ist mittelgroß bis groß, sportlich und nimmt nicht schnell zu.

Typ Kapha-Pitta bzw. Pitta-Kapha:

Menschen dieses Typs sind sehr herzlich und sozial, ausgeglichen und von einer stabilen Grundimmunität. Sie essen gern, was sich auch mal auf der Waage zeigt, nehmen aber auch relativ leicht wieder ab.

Typ Tridosha (Vata-Pitta-Kapha):

Der am seltensten anzutreffende Typus. Bei ihm sind die drei Doshas im Gleichgewicht. Tridosha-Menschen besitzen daher eine maximale körperliche und geistige Immunität und sind äußerst ausgeglichen.

 

Natürlich sind diese kleinen Beschreibungen nur kleine Anhaltspunkte. Im Netz kursieren diverse Tests, mit denen du deinen eigenen Typ herausfinden kannst, z.B. bei unseren Kolleginnen vom Yoga Journal: www.yogajournal.de/dosha-test. Solch ein Test kann einen ersten Anhaltspunkt geben, ersetzt jedoch nicht eine ausführliche, individuelle Ayurveda-Beratung.

Laut ayurvedischer Lehre ist unsere Grundkonstitution bereits von Geburt an angelegt und unveränderlich, jedoch können unsere Doshas durch äußere Faktoren beeinflusst und ins (Un-)Gleichgewicht gebracht werden. Zu solchen äußeren Faktoren gehören Witterungen, das soziale Umfeld, Stressphasen, Freude, Sorgen usw., aber natürlich auch der eigene Lebenswandel sowie die eigene Ernährung.