Die vier Leder-Legenden

Die vier Legenden über Leder

Edel, sexy, robust – kaum ein Material umweht eine solch legendäre Melange aus Stil, Luxus und Coolness wie Leder. Die moderne Modewelt hat Echtleder erschwinglich gemacht und pflegt sein Image als hochqualitatives Naturprodukt. Doch stimmt das? Und: Was können die neuen Konkurrenten aus Kunststoff, Kork oder auch Apfel?

Von Katharina Weiss und Jens Tuider

Stolze 5.500 Jahre ist er alt. Und damit rund tausend Jahre älter als die Pyramiden von Gizeh: ein Schuh. Genauer: ein Lederschuh, der älteste, den die Archäologie je ausgegraben hat. Das urtümliche, etwas unförmige Stiefelchen überdauerte in einer Höhle im heutigen Armenien. Klar, der „Traditionsstoff” Leder überzeugt mit Haltbarkeit, mag da manche*r denken. Dennoch geht ein gewisser Trend heute zugleich in Richtung “Apfeltasche” – bislang eher etwas für den Gaumen denn fürs Handgelenk, doch seit Kurzem der letzte Schrei in der innovativen Fashionszene: Handtaschen, gefertigt aus Apfelleder. Einem Material also, das in Aussehen und Haptik Tierleder gleicht, nur eben aus Apfelfaser gewonnen wird. Und nicht nur das: Vegane Biker*innen lieben neuerdings Korkjacken, nachhaltige Fashionistas tragen Gürtel aus Eukalyptusleder und so manche/r tierliebe Skater*in steht voll auf und in Sneakers mit Exotikfaktor: Ananasblatt.

Wem aber diese pflanzlichen Alternativen zu Tierhaut zu teuer oder zu extravagant sind, hat noch eine Auswahl: Kunstleder. Nicht nur echte Tierhaut zog mit dem größten Ledertrend seit den 1980ern in den letzten Jahren in das Sortiment der Modeketten ein. Ob Zara oder H&M, ob Jacke, Rock oder Leggins: Kunstleder-Klamotten und -Schuhe wurden zur günstigen und chicen Saisonware und gelten vielen als tolle, denn tierleidfreie Option. Ist also zwischen dem „Naturprodukt” Echtleder, tierleidfreiem Kunst- und innovativem Pflanzenleder für alle und jede*n etwas dabei? Wir haben uns die Optionen angesehen – und räumen mit so mancher Legende rund um (Kunst-)Leder auf.