Warenkunde: Kichererbsen

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Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)

Arten: Die bedeutendste der 43 Kichererbsen-Arten (Tribus Cicereae) ist die als Nutzpflanze bekannte Echte Kicher (auch Römische Kicher, Venuskicher oder Felderbse genannt).

Nährwert: Wahre Protein-Pakete sind Kichererbsen, beinhalten sie mit 19 g pro 100 g doch mehr Eiweiß als so manche Fleischsorte. Darüber hinaus sind sie sehr eisenhaltig (6 mg/100 g) und weisen mit 124 mg pro 100 g einen ähnlich hohen Kalziumgehalt auf wie Milch. Mit (in gekochtem Zustand) ca. 120 kcal pro 100 g sind sie zwar kein explizites „Light“-Produkt, dafür machen sie auf äußerst gesunde Weise langanhaltend satt.

Verwendung: Getrocknete Kichererbsen müssen zunächst rund 12 Stunden eingeweicht werden, bevor sie (in frischem Wasser) gegart werden können, was etwa weitere zwei Stunden braucht. Dosen-Kichererbsen kannst du hingegen sofort weiterverarbeiten, wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind: Sie schmecken z.B. im Curry, als Basis für Brotaufstriche oder Burger-Patties, im Salat oder geröstet als Snack zwischendurch.

Einkauf: Kichererbsen erhalten Sie hierzulande entweder in Konserven oder getrocknet. In der Regel handelt es sich dabei um die beigegelblichen Kabuli-Typen. Rarer sind die kleineren, dunklen Desi-Typen, die in Afrika, Australien und Asien angebaut, aber sehr selten exportiert werden.

Lagerung: Kühl, trocken und luftdicht verpackt, können getrocknete Kichererbsen ein bis zwei Jahre halten, wobei es sinnvoll ist, sie hin und wieder zu lüften. Besonders bei Bio-Produkten kommt es hin und wieder zu Wurmbefall, den Sie anhand kleiner Wurmlöcher an den Früchtchen bemerken. Auch Dosen-Kichererbsen mögen es dunkel und kühl – was die Haltbarkeit angeht orientieren Sie sich hier am aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdatum.

Sie ist die La-Ola-Welle unter den Gemüsen. Zumindest, wenn es um ihren Namen geht. Denn so wie „la ola“ schlicht „die Welle“ bedeutet, versteckt sich hinter dem vergnüglich anmutenden „Kicher“ einfach die lateinische Bezeichnung für „Erbse“: „cicer“ (ausgesprochen: „kiker“). Doch trotz ihres Namens hat unsere „Erbsenerbse“ mit ihrer grünen Kollegin gar nicht so viel zu tun, außer dass es sich bei beiden um schmackhafte, nährstoffreiche Hülsenfrüchte handelt. Verwandt aber sind sie nicht, und hübscher ist es ja sowieso, sich vorzustellen, man habe es bei der Kichererbse mit einer fröhlichen kleinen Lady zu tun. Gucken Sie sie sich mal genauer an: Hat das Kügelchen nicht eine kleine Nase und darunter einen lachenden Mund? Mit etwas Fantasie könnte man es glatt meinen …

Seit rund 8000 Jahren ist die nahrhafte Kichererbse in Vorderasien als Nutzpflanze bekannt und hat sich in der Antike über Nordafrika und Indien bis nach Europa geschlichen, vor allem in der mediterranen Küche ist sie heimisch geworden – man denke z.B. an die ligurische Farinata, eine Art Pfannkuchen oder Fladenbrot aus Kichererbsenmehl, Wasser, Salz und Olivenöl; oder an verschiedene Eintöpfe und Salate. Hierzulande verbinden wir die leckere kleine Kugel vor allem mit Gerichten aus Indien, Nordafrika sowie Ländern des Nahen Ostens, und tatsächlich ist sie dort, aber auch in vielen südamerikanischen Ländern, bis heute zu eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Und obwohl sie ein warmes, sonnenreiches und trockenes Klima braucht, um zu gedeihen – was sich bei uns eher schwierig gestaltet –, erfreut sie sich auch hier einer immer größeren Beliebtheit, die durch den Veggie-Trend der vergangenen Jahre noch einen besonderen Auftrieb erlangt hat. Orientalische Köstlichkeiten wie Hummus und Falafel haben uns schließlich gelehrt, welch perfekte Basis für Pasten oder Bratlinge die eiweißreichen Samen abgeben. Richtig gelesen – Samen. Darum handelt es sich nämlich, wenn wir von Kichererbsen sprechen. Aus den weiß, violett oder purpur leuchtenden Blüten der Pflanze entstehen etwa drei Zentimeter lange Früchte, in deren Hülse sich wiederum jeweils zwei dieser Samen befinden.

Kichererbsen hierzulande anzubauen empfiehlt sich aus den genannten Gründen nicht wirklich, daher werden sie bei uns seit vielen Jahrzehnten nur noch importiert. Falls Sie es aus Neugier oder wegen der hübschen Blüten trotzdem einmal mit dem Heranziehen versuchen wollen, sollten Sie die Samen im Mai an einem sonnigen Standort mit einem durchlässigen, eher nährstoffarmen Boden aussäen, den sie gleichmäßig, aber nur leicht feucht halten. Erntezeit ist nach etwa acht bis zwölf Wochen. Mit großen Erträgen dürfen Sie nicht rechnen, aber manchmal ist der Weg ja auch das Ziel, und das erweiterte Ziel dann eben doch der Supermarkt oder Bioladen.