Warenkunde: Datteln

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Familie: Palmengewächse (Arecaceae)

Arten: Weltweit sind rund 1500 verschiedene Dattelsorten bekannt, von denen sich jedoch maximal ein Drittel für den kommerziellen Anbau eignen. Die beliebteste Sorte ist die weiche, süße Medjool, auch „Königin der Datteln“ genannt.

Nährwert: Datteln sind dank ihres hohen Zuckeranteils und einem Kaloriengehalt von 280 kcal (getrocknet) bzw. 120 kcl (frisch) pro 100 Gramm wahre Energiebomben – und dabei weitaus gesünder als andere Naschereien: Sie enthalten jede Menge Vitamine (A, D, B1, B2, B7) sowie Eiweiße, Mineralstoffe und Spurenelemente (Kalzium, Phosphor, Eisen, Magnesium, Zink, Kupfer).

Verwendung: Ob pur als Snack zwischendurch, als Müsli-Topping oder Energiebällchen – vor allem Naschkatzen und -kater schätzen die Süße von Datteln. Ihr honigartiges Aroma harmoniert jedoch auch hervorragend zu pikanten Speisen, etwa aus der orientalischen Küche. Datteln zum Trinken gibt’s als Tee oder Likör.

Einkauf: Bei uns sind überwiegend getrocknete Früchte im Handel. Da diese häufig chemisch gedüngt werden, empfiehlt sich hier besonders der Griff zu Bio-Produkten. Achten Sie überdies darauf, dass die Früchte ungeschwefelt sind. Bei frischen Datteln ist eine pralle, glänzende Schale und ein frischer Duft ein Hinweis auf gute Qualität. Lagerung: Frische Früchte halten sich im
Gemüsefach des Kühlschranks einige Tage, getrocknete sind, kühl, trocken und dunkel gelagert, ein Jahr und mitunter noch länger genießbar. Bei langer Lagerung trocknen sie evtl. noch etwas mehr ein, was dazu führen kann, dass sie wegen ihres hohen Zuckergehalts kristallisieren.

Mit der Erschaffung der Welt haben Sie vermutlich ebenso wenig praktische Erfahrung wie wir. Aber lassen Sie uns doch vermessenerweise mal folgendes Gedankenexperiment wagen: Sie sind allmächtig,­ haben gerade das Universum sowie unseren Planeten kreiert und merken plötzlich, dass sie noch zwei Klümpchen Erde übrig haben – was Ihnen ganz recht ist, denn irgendwie wirkt diese neue Welt noch nicht wirklich vollkommen. Welche zwei materiellen Dinge also schöpfen Sie? In unserer nicht repräsentativen Verlagsumfrage zeigten sich die Kolleg*innen ob dieser Aufgabenstellung leicht überfordert, die Antworten reichten von Büchern und Tofu über kryptisch umschriebene Meditationsräume bis hin zu Tischleindeckdichs sowie einem schlichten „Kippen und Alkohol“. Nun denn. Einem Beduinenglauben zufolge hat Gott sich seinerzeit anders entschieden und uns stattdessen das Dromedar sowie die Dattel beschert. Bis heute sind beide im arabischen Sprachraum hochgeschätzt, was zahlreiche gute Gründe hat, wobei wir uns im Folgenden auf die Vorzüge der Frucht konzentrieren wollen, das Tier möge uns verzeihen. Also: Wer in der Wüste lebt, braucht viel Energie, und als Spenderinnen derselben eignen sich die kohlenhydrat- und zuckerreichen Datteln ganz vorzüglich. Anders als bei herkömmlichen Süßwaren sorgt eine Reihe von Nährstoffen, Vitaminen, Aminosäuren und Ballaststoffen dafür, dass der Zucker langsamer ins Blut übergeht. Der Blutzuckerspiegel sowie die Insulinausschüttung des Körpers bleiben damit konstant und wir fühlen uns nicht nur kurzfristig „gepusht“.

Getrocknet und gepresst, als sogenanntes „Brot der Wüste“, waren und sind Datteln daher in Nordafrika ein beliebter Proviant. Hierzulande stärken sich auch Fitnessfreaks und Leckermäulchen gern mal mit einer Portion Datteln – oft ebenfalls „in Form gebracht“: Im Bioladen werden Ihnen sicher schon mal sogenannte Energiekugeln aufgefallen sein, die meisten davon auf Dattelbasis. Auch dank des Rohkost-Trends der letzten Jahre sind Datteln zu einer nicht mehr wegzudenkenden Zutat im Bereich „gesundes Naschwerk“ geworden – Speiseeis, Pralinen, Proteinriegel alles lässt sich unkompliziert damit süßen. Sie sind also ein wahres Powerfood, sodass eine weitere Wirkung zunächst wie ein Widerspruch anmutet: Die in Datteln enthaltene Aminosäure Tryptophan, eine Vorstufe des „Glückshormons“ Serotonin, sorgt nämlich auch für erholsamen Schlaf – wichtige Voraussetzung für körperliche und geistige Fitness und damit wieder stimmig. Auch wer Verdauungsprobleme hat, tut gut daran, zu Datteln zu greifen. Doch Vorsicht: Zu viele können wiederum Magengrummeln verursachen, lieber mit Bedacht genießen!

Alles in allem also toll, dass sie uns das Leben versüßen, diese feinen Palmfrüchtchen, die wir hierzulande meist getrocknet verputzen, obwohl sie auch frisch wirklich köstlich sind. Doch woher kommen sie nun eigentlich genau – wenn wir ein wenig weltlicher an die Sache herangehen wollen als eingangs beschrieben? Tatsächlich gehört die Echte Dattelpalme wohl zu den ältesten kultivierten Bäumen der Welt, bereits vor rund 5000 Jahren hat man sie in Mesopotamien (in etwa der heutige Irak sowie der Nordosten Syriens) angepflanzt, das zu einem der wichtigsten kulturellen Entwicklungszentren des Alten Orients zählt. Anekdote am Rande: Das Trocknen von Obst dürfte die erste Form von Lebensmittelkonservierung gewesen sein, womöglich zufällig entdeckt, als ein neugieriges Menschlein die von Baum oder Rebe gefallenen und in der Sonne getrockneten Feigen, Trauben oder eben Datteln gekostet hat. Auch heute noch werden im Nahen und Mittleren Osten Datteln angebaut, die Hauptlieferanten für den europäischen Markt sind jedoch Ägypten und Marokko. Sollten Sie schon mal in ein „Dattel-Land“ gereist sein, haben Sie sich von dort vielleicht einen kleinen Vorrat an mit Nüssen oder Marzipan gefüllten Datteln mitgebracht – köstliche „Pralinen“, die Sie auch mit ungeübten Fingern leicht nachmachen und nach Belieben variieren können: Kneten Sie z.B. etwas Rosenwasser oder Rum-Aroma ins Marzipan, füllen Sie die Masse portionsweise in die entkernten, getrockneten Datteln und wälzen Sie diese anschließend in gehackten Pistazien oder Mandeln.