TOMATE: Die Schamesröte der Paradiesäpfel

Tomate zugeschnitten

Fotocredit: Joujou / pixelio.de

 

 

Was haben ein unzuverlässiger, ein unkonzentrierter und ein beschämter Mensch gemeinsam: die Tomate! Denn in gleich drei Redensarten spielt die rote Frucht die Hauptrolle: So könnten Sie eine Person gleichzeitig als eine „treulose Tomate beschimpfen, die „Tomaten auf den Augen“ hätte und dabei vor Scham „rot wie eine Tomate“ würde.

 

 

Während sich die Redewendung „rot wie eine Tomate“ tatsächlich auf das durch Scham ausgelöste, heftige Erröten bezieht, ist die Herleitung bei den zwei anderen nicht ganz so einfach. Einer Legende nach soll die Tomate das Attribut der Treulosigkeit bekommen haben, weil sie im 19. Jahrhundert in Italien weit verbreitet war und Land und Leute schnell mit ihr in Verbindung gebracht wurden. Als sich die Italiener dann im Ersten Weltkrieg erst aus den kriegerischen Auseinandersetzungen heraushielten und sich dann 1915 auf die Seite der Alliierten schlugen, bekamen sie von der deutschen Bevölkerung den Stempel „Untreue“ auf gedrückt – und die Tomate musste dafür herhalten. Für das dritte Sprichwort gibt es ebenso unterschiedliche Ansätze: So sollen die geröteten, verquollenen Augen eines übermüdeten Menschen optisch an das Gemüse erinnern. Eine andere Theorie spricht von Autofahrern, die an einer Ampel immer noch stehen, obwohl sie bereits auf Grün gesprungen ist. Diese wurden dann recht unsanft mit der Aussage „Sie haben wohl Tomaten auf den Augen“ wieder ins Hier und Jetzt zurückgeholt. Dabei hat der Sprücheklopfer unter den Gemüsen seinen Namen erst seit dem 19. Jahrhundert. Vorher wurde er mit so malerischen Umschreibungen wie Liebes- oder Goldapfel bezeichnet. In Österreich heißt er noch heute Paradeiser, was mit dem deutschen Wort Paradiesapfel einhergeht, in Italien pomodoro, von „pomo d‘oro“, goldener Apfel. (…)

 

 

Den ganzen Artikel gibt’s in der August/September-Ausgabe 2014 ab Seite 52!