Oxford-Studie: Wohl und Welt liegen in unseren Händen

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Krankheiten, Katastrophen, Klimawandel – und wir können nichts dagegen tun? Und ob wir das können! Eine aktuelle Studie der Universität Oxford zeigt, welch gravierenden Einfluss unsere Entscheidungen auf unser Wohl und das der Welt haben – vor allem Entscheidungen zu einer pflanzlichen Ernährung.

Der Klimawandel scheint unaufhaltbar. Steigende Temperaturen, steigende Meeresspiegel, sich ausbreitende Wüsten und all jene bedrohlichen Szenarien, die in der Zukunft damit einhergehen werden – eine beängstigende Vorstellung, schon heute. Der Auslöser des Klimawandels liegt vor allem in den Treibhausgasemissionen. Und jene stammen zu über einem Viertel aus der Nahrungsmittelproduktion. Darunter wiederum sind 80 Prozent der Viehzucht anzulasten. Der Hunger nach Fleisch und Milchprodukten wächst kontinuierlich, vor allem mit dem steigenden Wohlstand von Ländern und Regionen, die sich die tierischen Produkte in solchem Ausmaß bislang noch gar nicht leisten konnten.

Machtlos fühlt man sich da oftmals. Dabei liegt sowohl das Wohl unserer Erde als auch unser eigenes in unseren Händen. Denn es ist, wie eine aktuelle Studie von Forschern der Universität Oxford zeigt, maßgeblich beeinflusst von der Entscheidung, wie wir uns fortan ernähren wollen.

Die Zukunftsszenarien der Oxford-Studie

Vier Forscher der renommierten Universität Oxford haben sich den Einfluss verschiedener Ernährungsformen sowohl auf uns als auch auf den Planeten Erde angesehen und in aussagekräftige Zahlen übersetzt. Dazu haben sie verschiedene Szenarien entworfen, die je von einer Umstellung der Ernährung ausgingen:

–          Umstellung auf offizielle Empfehlungen, wie sie zum Beispiel von der WHO vertreten werden, also eine größere Menge an Obst und Gemüse zu sich zu nehmen und den Konsum von rotem Fleisch zu reduzieren

–          Umstellung auf vegetarische Ernährung

–          Umstellung auf vegane Ernährung.

Als Referenzszenario diente den Forschern ein Ausblick auf die weltweiten Entwicklungen bis zum Jahr 2050. Es geht auf eine Prognose der Vereinten Nationen zurück und berücksichtigt unsere gegenwärtigen Gewohnheiten und die Trends, was die Ernährung der Menschheit angeht – also vor allem einen steigenden Bedarf an Tierprodukten in Entwicklungsländern bei einem bereits jetzt immensen Bedarf in den Industrienationen.

In Zahlen: Vegetarische und vegane Ernährung und ihr Einfluss auf die Gesundheit

Entsprechend bisherigen Studien wurden Tierprodukte, insbesondere rotes und industriell verarbeitetes Fleisch, als Risikofaktoren gehandelt, die mit chronischen Krankheitsbildern wie Diabetes, Übergewicht und Fettsucht, aber auch allgemein höherer Sterblichkeit in jüngeren Lebensjahren einhergingen. Denn mit einem erhöhten Konsum von Tierprodukten hängt oft auch eine weniger ausgeprägte Ernährung mit frischem Obst und Gemüse zusammen.

Die Zahlen der Studie sprechen eine eindeutige Sprache. Würden wir alle unsere Ernährung umstellen, wie Institutionen wie die WHO es vorschlagen, könnte der Tod von 5,1 Millionen Menschen pro Jahr vermieden werden. Im Vergleich mit dem Referenzszenario, also der wahrscheinlichen Entwicklung, wenn wir unsere Ernährungsgewohnheiten nicht ändern, sind das 79 Millionen gerettete Lebensjahre. Im Fall einer Umstellung auf vegetarische Ernährung wären es 7,3 Millionen verhinderte Todesfälle und 114 Millionen nicht verlorene Lebensjahre. Und sollte sich die Menschheit bis 2050 gar vegan ernähren, wären das 8,1 Millionen vermiedene Sterbefälle und 129 Millionen behaltene Lebensjahre.

In Zahlen: Vegetarische und vegane Ernährung und ihr Einfluss auf das Klima

Nicht weniger überzeugend sind die Zahlen der Studie, wenn es um die Auswirkung unserer Ernährung auf Klima bzw. Klimawandel geht. Das Referenzszenario geht davon aus, dass entsprechend der heutigen Entwicklungen die Emissionsrate der Nahrungsmittelproduktion um 51 Prozent steigen wird. Die Studie vergleicht die konkreten Mengen mit den Emissionswerten von 2005 und 2007: Da lautete die Zahl bereits kaum vorstellbare 7,6 Gigatonnen. Bis 2050 wären es dann 11,4 Gigatonnen mehr „Dreck“ in der Luft.

Dank der offiziellen Ernährungsempfehlungen könnte man die Emissionsrate auf 8,1 Gigatonnen senken, das wäre immerhin 29 Prozent weniger als im Referenzszenario 2050 und nur 7 Prozent mehr Emissionen gegenüber 2005/2007. Doch durch Vegetarismus könnte der Ausstoß an Treibhausgasen auf ca. 4,2 Gigatonnen bis 2050 gesenkt werden und durch eine vegane Ernährung wäre der Effekt sogar noch deutlicher ausgeprägt. Gegenüber 2005/2007 entspräche dies einer Reduktion von Treibhausgasen um 45 bis 55 Prozent. Und gegenüber der Prognose, wie es mit unserer Lebensmittelproduktion bis 2050 aussehe, sogar um 63 bis 70 Prozent!

Übrigens: Nicht nur die ideellen Werte kommen in der Studie zur Sprache, sondern auch die monetären. Würde die Menschheit ihre Ernährung auf vegan umstellen und so ihren Treibhausgasausstoß maßgeblich reduzieren, errechnen die Forscher aus Oxford einen wirtschaftlichen Vorteil von bis zu 570 Milliarden US-Dollar – allein weil weniger Maßnahmen gegen den Schaden durch die Emissionen ergriffen werden müssten. Dazu kommen immense Einsparungen in den Kosten für Gesundheit und Betreuung aufgrund eines reduzierten Fleisch- und erhöhten Gemüse-/Früchtekonsums.

Da soll doch nochmals einer behaupten, der positive Effekt von pflanzlicher Ernährung sei Spekulation.

Die Studie ist hier einsehbar.