Frag die Expertin! Diesmal 3 Fragen an Dr. Katharina Weiss-Tuider

Foto: Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath

Bei der größten Arktis-Expedition unserer Zeit ließ sich der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern für ein Jahr ins arktische Meereis einfrieren. Von 2019 bis 2020 erforschten so Hunderte Wissenschaftler*innen aus 20 Ländern das arktische Klimasystem. Dr.Katharina Weiss-Tuider begleitete die Expedition als Kommunikationsexpertin am Alfred-Wegener-Institut, das die Expedition leitete. Nach Rückkehr aus der Arktis hat sie ein Buch über die Expedition und ihre Erfahrungen geschrieben, um auch die jüngere Zielgruppe mit auf eine spannende Expedition zum fernen Nordpol zu nehmen — ins Herz des Klimasystems. Sie weiß spätestens seit ihrer ersten Begegnung mit einem Eisbären, dass wir diese mächtigen und zugleich so verletzlichen Tiere retten müssen — auch, um unser eigenes Klima zu retten. Sie schreibt seit Langem zu Themen wie Umwelt, Klima, veganer Ernährung, auch für die VEGAN WORLD. In dem im Februar 2020 erschienenen Kindersachbuch „Expedition Polarstern – Dem Klimawandel auf der Spur“ berichtet Katharina Weiss-Tuider anschaulich und unmittelbar von der spektakulären Jahrhundert-Expedition. Unser Fazit: Eindrucksvoll und voll gespickt mit Informationen, die man nicht mehr vergisst. Ein Muss für alle (angehenden) Klimaschützer*innen.

Inwiefern hat das, was in der Arktis passiert, Auswirkungen auf uns?
Die Arktis ist die Wetterküche der Welt. Was dort im Klimasystem am Nordpol
passiert, kann sich als Wetter vor unserer Haustür zeigen – und überhaupt
beeinflusst die Arktis das Klima bei uns. Alarmierend ist, dass die Arktis sich durch den Klimawandel schneller erwärmt als jede andere Region der Erde: mindestens
doppelt so schnell! Was diese Erwärmung anrichtet, sehen wir aus der Satellitenperspektive: Das Meereis verschwindet immer mehr. In den letzten 40 Jahrenist es im Sommer schon um die Hälfte geschrumpft. Aber so schmilzt nicht nur
den Eisbären der Boden unter den Füßen weg. Diese dramatischen Änderungen in
der Arktis betreffen wiederum auch unser Wetter und Klima mitten in Europa.

Wie rettet man die Arktis im Alltag?
Wer das Klima schützt, hilft auch der Arktis. Und das sollten wir dringend tun, denn
Studien zeigen, dass sonst noch vor dem Jahr 2050 das Eis am Nordpol im Sommer
verschwinden könnte. Als ich das Buch geschrieben habe, war ich entsetzt bei dieser
Vorstellung: Dann wäre unsere Erde nicht mehr die Erde, wie wir sie jetzt noch kennen. Umso häufiger fallen mir seither aber Entscheidungen im Alltag auf, in denen wir aktiv Klimaschutz betreiben können: regionale und saisonale Lebensmittel kaufen statt weitgereiste Erdbeeren im Winter, lieber wieder mal ein Buch lesen anstatt energieaufwendig Filme zu streamen. Ein anderer großer Faktor: sich pflanzlich ernähren. Fleisch und Milchprodukte machen heute in Deutschland noch etwa 70 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen aus. Wenn wir vegan essen, können wir also sogar der fernen Arktis helfen.

Wie ist das Leben an Bord eines Eisbrechers?
Genau so abenteuerlich, wie man es sich wohl vorstellt. Wenn sich das Schiff einen
Weg durch die Eisschollen sucht, dröhnt oft das ganze Innere vom brechenden Eis.
An Deck herrschen eisige Temperaturen, die sogar Tränen gefrieren lassen. Umso
warmherziger ist aber das Miteinander auf Expeditionen. Schon nach wenigen Tagen auf See fühlt sich das Team wie eine Familie an. Es gibt viele Risiken auf dem
Meereis, aber alle Teammitglieder geben immer aufeinander acht.


INFOS zum Buch:

Katharina Weiss-Tuider
Expedition Polarstern: Dem Klimawandel auf der Spur: Mit zahlreichen Farbillustrationen und Fotos von Christian Schneider
128 Seiten,
22 €, ab 10 Jahre

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