Tierversuchsverbot für Kosmetika in Gefahr

Foto: Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Wieder Tierversuche für Kosmetik? Das könnte passieren! Stoppen soll das Vorhaben die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Save Cruelty Free Cosmetics – Für ein Europa ohne Tierversuche“. Wir sprechen mit Michèle Dressel von Ärzte gegen Tierversuche e.V. über die Hintergründe.

Tierversuche für Kosmetika und deren Bestandteile sind seit 2013 europaweit verboten. Nun ist tierversuchsfreie Kosmetik in der EU in Gefahr, warnt ihr. Warum?
Es wird immer schwieriger, Kosmetik ohne Tierversuche herzustellen. Soweit die knappe Antwort. Dahinter steckt, dass die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) trotz dieses Verbots immer wieder Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe fordert.

Wie hoch schätzt ihr das Ausmaß an Tierversuchen ein, sollte es mit der Forderung der Europäische Chemikalienagentur ECHA nach neuen Tierversuche für Inhaltsstoffe klappen?
Eine konkrete Zahl zu nennen, ist unmöglich. Fakt ist aber: Tierversuche sind nicht nur grausam, sie halten auch ihr vermeintliches Versprechen nach Sicherheit für den Menschen nicht. Ratten und Mäuse z.B. werden sehr häufig in Tierversuchen „genutzt“. Die Nebenwirkungen, die bei ihnen beobachtet werden, können nur mit einer „Sicherheit“ von 43 Prozent auf den Menschen übertragen werden. Das ist weniger als die Hälfte! Man könnte also eine Münze werfen, um zu ergründen, ob eine Substanz, die für die Maus unproblematisch war, auch für den Menschen in Ordnung ist und hätte eine bessere Chance, die richtige Antwort zu bekommen.

Betrifft die mögliche neue Gesetzgebung auch die Naturkosmetik?
Leider ja. Hier sind die Folgen verheerend, denn für viele Hersteller von Naturkosmetik ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ihre Produkte und deren Inhaltsstoffe nicht an Tieren getestet sind. Auch den Konsumenten von Naturkosmetik ist es besonders wichtig, dass für ihre Produkte kein anderes Lebewesen leiden musste. Doch das wird durch die Haltung der ECHA immer schwieriger.

Was fordert ihr konkret mit der Europäischen Bürgerinitiative?
Zuallererst muss das bestehende Verbot von Tierversuchen für Kosmetik eingehalten werden. Und es muss gestärkt werden, damit die ECHA es nicht weiter unterhöhlen kann. Außerdem fordern wir ein EU-Chemikalienrecht ohne Tierversuche. Viele Substanzen werden sowohl in der Kosmetik- als auch in der Chemieindustrie genutzt. Laut Tierversuchsverbot für Kosmetika – was ja immer noch gilt! – dürfen sie in dem einen Bereich nicht an Tieren getestet werden, in dem anderen Bereich sind Tierversuche aber vorgeschrieben. Zuletzt fordern wir von der EU einen konkreten Ausstiegsplan aus allen Tierversuchen. Bis zu 95 Prozent der neuen tierversuchsgeprüften Arzneien fallen beim Test am Menschen („klinische Prüfung“) durch, entweder, weil sie nicht wirken oder weil sich schwerwiegende Nebenwirkungen zeigen, die am Tier nicht auftraten. Es gibt zahlreiche innovative tierversuchsfreie Methoden, z.B. Organoide und Multi-Organ-Chips.

Wie kann man sich beteiligen, wenn man ebenfalls für ein Europa ohne Tierversuche ist?
Unterschreiben ist natürlich der erste Schritt! Bis zum 31.08.2022 müssen 1 Million gültige Unterschriften zusammenkommen. Eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) kann wirklich etwas verändern, denn die EU-Kommission muss sich mit einer erfolgreichen EBI auseinandersetzen. Sie ist ein demokratisches Mittel, um die Kommission aufzufordern, neue Rechtsvorschriften – in unserem Fall die oben genannten Forderungen zum Thema Tierversuche – vorzuschlagen. Weitere Infos zur EBI gibt es unter europa-ohne-tierversuche.de

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