„Tiere, Umwelt, Menschen – es geht um so viel mehr!“

Foto: Lars Laion

Warum gehen wir mit unseren Autos zuweilen besser als mit unserem Körper um? Wir sprechen mit Schauspielerin Kerstin Landsmann über Nachhaltigkeit und bewusstes Leben.

Autorinnen: Susann Döhler und Xenia Waporidis

Zum Glück endlich vegan“ zitierte dich die Gala im Dezember 2017. Was war plötzlich besser als zu der Zeit als du Fleisch, Milch und Eier gegessen hast?

K.L.: Auf jeden Fall, dass ich mich zum einen körperlich so viel besser gefühlt habe. Egal wie früh der Wecker auch klingelt, ich wache fit auf, brauche insgesamt weniger Schlaf. Mein Hautbild hat sich sehr verbessert. Ich höre immer wieder von Maskenbildnern, dass meine Haut toll sei und das obwohl ich früher echt mit Pickeln usw. gestraft war. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich nicht mehr jede Erkältung mitnehme. Mich hat zwar diese Megagrippe Anfang 2018 leider auch erwischt, aber ansonsten bin ich seitdem verschont geblieben. Auch wenn ich zwar früher bei der Arbeit noch nie krankheitsmäßig ausgefallen bin, so stand ich doch des Öfteren mit Schnupfen oder sogar Fieber am Set. Zum anderen fühlte ich mich aber auch seelisch so viel befreiter. (lächelt)

Von einem besseren Hautbild und enormen Gesundheitsverbesserungen berichteten viele Veganer*innen. Wir müssen aber nochmal zurück zum Beginn deiner veganen Metamorphose gehen. Welche Gründe waren für dich ausschlaggebend deine Ernährung vor 1 ½ Jahren umzustellen?

K.L.: Tiere haben schon immer sehr mein Herz berührt und ich lebte schon 30 Jahre als Vegetarierin, weil ich dieses schlimme Leid nicht ertragen, besser gesagt verantworten konnte. Aber weiter habe ich nie gedacht. Zum Glück wird man heute mehr und mehr mit dem Leid und den unfassbar grausamen Methoden in Berührung gebracht. Gerne schaut man schnell weg, da diese Bilder einen belasten. Auch denkt man anfangs: ich könnte nie auf Käse, Milch, was auch immer, verzichten. Aber wenn man den Mut hat sich wirklich mal mit den Hintergründen unserer Nahrungsproduktion auseinanderzusetzen, ist es eigentlich ein Leichtes von heute auf morgen den Konsum und Verzehr tierischer Produkte zu unterlassen.

Mutig bist du anscheinend, denn was viele vielleicht gar nicht wissen: Du entstammst aus einer rheinischen Metzger-Familie! Erweisen sich Familienessen dann nicht sogar noch eher als ein filmreifes Drama?

K.L.:
Meine Familie ist mütterlicherseits rheinisch (meine Mama ist gebürtige Düsseldorferin) und halb österreichisch (mein Papa kommt aus dem wunderschönen Kärnten). Da ich noch nie gerne Fleisch gegessen habe, war das Essen bei uns schon immer anders als bei anderen Metzgerfamilien. Früher war unser Weihnachtsgericht Geschnetzeltes in Pfifferling-Rahmsauce mit Reis und ohne Geschnetzeltes für mich. (grinst)

Und heutzutage, wo du vegan lebst?

K.L.: Heute mache ich das Essen und die Sahnesoße mit Pfifferlingen und hellem Mandelmus und dazu Reis, tolle Salate und Ofengemüse. Alle werden glücklich und satt und schmecken bei der Sauce keinen Unterschied. (lächelt)

Das klingt toll. Gibt es etwas, dass du als Veganerin überhaupt nicht leiden kannst?
K.L.: Zwei Aussagen kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Erstens: „Es schmeckt so gut.“ Ja und? Es gibt so viel anderes was mindestens genauso gut schmeckt. Man muss eben Neues ausprobieren. Zweitens: „Ich liebe Tiere.“ Ja, aber welche? Den kleinen Hund auf dem Arm tragen und den armen Hund aus China oder Wolf aus Kanada an den Kragen genäht und die Jacke mit Qualdaunen gefüllt?

Würdest du jemanden im Alltag auf die Grausamkeit hinweisen, die z.B. am Winterjackenkragen angenäht ist oder im Einkaufskorb liegt? Oder bist du eher gegen das Veganer-Missionieren?

K.L.:
Ich würde es am liebsten, weil ich einfach nicht nachvollziehen kann, wie Menschen so ignorant sein können. Es geht ja nicht nur um die Tiere. Es geht auch um die Umwelt, die Welt unserer Kinder und es geht vor allem um unsere eigene Gesundheit. Wenn ich mich manchmal im Supermarkt umgucke, welche Menschen welche Produkte in ihren Wagen laden, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wir würden unsere Autos niemals mit so schlechtem Treibstoff tanken, wie wir unseren Körper mit schlimmen Essen füllen. Aber zurück zur Frage. Ich glaube, dass die meisten Menschen dann sofort in eine Abwehrhaltung oder in die totale Ignoranz gehen. Damit kommt man leider nicht an sie ran.

Apropos Einkaufskorb, landen in deinem auch vegane Kosmetikartikel? Gerade hier tun sich ja viele schwer …

K.L.: Natürlich kommt bei mir nur vegane und tierversuchsfreie Kosmetik in die Tüte, bzw. den Stoffbeutel. Ich finde gerade heutzutage gibt es keinen Grund andere Kosmetik zu benutzen. Der Markt ist so vielfältig und die Produkte so großartig, es ist mir unbegreiflich, wie man da noch Firmen kaufen und in ihre wirklich grausamen Methoden unterstützen kann.

Was ist dein minimalistischster Körperpflege-Tipp?
K.L.: Feste „Seife“ für Gesicht, Haare und Körper, sowie eine tolle „feste“ Creme für mein Gesicht. Das ist auch zum Reisen ideal, da man sich nicht mehr so abschleppen muss. Einfach ein Stück abschneiden und in eine Dose. Und falls man doch mal fliegt, dann ist das auch im Handgepäck nicht mehr so ein Theater. Das macht alles überhaupt keine Umstände und bewirkt bestimmt schon einiges. (lächelt)

Viele Veganer*innen müssen sich ja anhören, sie seien inkonsequent, wenn sie weite Strecken in den Urlaub fliegen, mit dem Auto fahren oder bei großen Modeketten einkaufen. Auf welchem Nachhaltigkeitslevel stehst du im Moment?

K.L.: Ich benutze seit ewigen Jahren meine eigenen Taschen und Körbe für die Einkäufe, auch bei Kleidung. Ich fahre, wenn es geht, mit dem Rad. Innerdeutsch zu 99,9% Deutsche Bahn und nicht den Flieger, ich trinke nicht aus Plastikflaschen und kaufe sie auch nicht usw. Zudem nutzte ich seit 2 Jahren keine Wattepads mehr zum Abschminken und für das Gesichtstonic, sondern Stoffpads, die ich dann einfach mit den Handtüchern mitwasche. Und ich benutze auch keinen Augen-Make-up-Entferner mehr, sondern nehme dafür flüssiges Kokosöl, das ist wunderbar und damit mache ich auch meine Haare. Auch Alufolie ist in meinem Haushalt nicht mehr vorhanden. Ich habe noch eine halbe Rolle, die schon seit 3 Jahren ungenutzt im Schrank liegt. Ich nehme für alles Glasdosen mit Deckel. Apropos, damit kaufe ich auch gerne in „Unverpackt“-Läden ein.

Neben einer engagierten und nachhaltigen Veganer*in bist du hauptberuflich Schauspielerin. Das Buffet beinhaltet dann bestimmt auch öfter Käse- oder Wurstbrötchen usw. Wie gehst du damit um?

K.L.: Tja, da frage ich mich auch so oft, ob das alles sein muss. Erstaunlich ist, dass das vegane immer auch sehr gerne von den Fleischessern genommen wird und denen schmeckt und oft viel Fleisch weggeschmissen wird. Aber ganz ohne Fleisch ist für viele erstmal unvorstellbar. Das ist einfach die Unerfahrenheit der meisten Leute. Die denken, es gibt dann nur Tofu und Körner. Man braucht schon einen guten Caterer, der einfach leckere Gerichte zaubert. Und vieles ist doch zufällig schon vegan. Penne Arrabiata oder Spaghetti Aglio e Olio. Da gibt es noch sehr viel mehr. Und mit ein bisschen Information und gutem Willen kann man ganz tolle Gerichte zaubern. (lächelt)


Info:
Ihren ersten Film drehte Kerstin Landsmann im Alter von 18 Jahren mit Sönke Wortmann („Charley´s Tante“). Einem breiten Publikum wurde sie dann vor allem durch ihre Rolle als „Kathi von Sterneck“ in der deutschen ARD-Serie „Verbotene Liebe“ bekannt, im letzten Jahr feierte Kerstin Landsmann ihr 15-jähriges „SOKO Köln“-Jubiläum. Sie stammt aus einer Metzger-Familie, lebt aber seit mehr als dreißig Jahren vegetarisch und nun seit drei Jahren vegan. Besonders wichtig für Landsmann: Veganismus, Nachhaltigkeit und die Liebe zur Schauspielerei. Mehr zur Person findest du unter http://www.kerstinlandsmann.de/