Rainer Langhans: »Genuss macht mich nicht glücklich.«

 

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Fotocredits: Alpenrepublik GmbH + Christa Ritter

 

 

Weltentrückt? Weltoffen? Irgendwas dazwischen? So ganz wird man nicht schlau aus dem Medienbild des Rainer Langhans, und wer es gewohnt ist, Menschen in Schubladen zu stecken, stößt bei ihm schnell an seine Grenzen. Da ist der 68er-Vorzeige-Intellektuelle der legendären Kommune 1, der heute mit fünf Weggefährtinnen in einem „Harem“ lebt, was bei schlecht Informierten schnell wilde – und realitätsferne – Fantasien über sein Sexualleben auslöst. Zum anderen ist da der sprituelle Querdenker, den viele der Einfachheit halber zum Spinner abstempeln. Außerdem gibt es den TV-Star, der auch Teilnahmen an umstrittenen Shows wie dem RTL-„Dschungelcamp“ nicht scheut, wo er unter anderem minutenlang mit stoischer Ruhe in einem Sarg voller Kakerlaken lag, die er im Anschluss daran ebenso besonnen wieder vom Körper wischte. Und dann wiederum ist da einfach der wildgelockte Rainer, den man des Öfteren, stets weiß gewandet, durch Schwabing radeln sieht, als sei er eben doch nur „einer von uns“. Wie viel Licht bringt es ins schillernde Dunkel, wenn man solch eine Persönlichkeit zum Interview treffen darf? Im Münchner Vegan-Restaurant Gratitude gehe ich der Sache auf den Grund …

 

 

Herr Langhans, fühlen Sie sich häufig missverstanden?

(lacht) Klar. Mein ganzes Leben lang. Wenn du jemandem von Erfahrungen erzählst, die er nicht kennt, dann gibt es keine Worte dafür, keine Kultur … Da zieht sich das Gegenüber das daraus, was es nachvollziehen kann. Früher hielt ich auch Medien für böse. Dabei verstehen die einfach meine Sicht der Dinge nicht und brechen sie darum auf den Part runter, den sie kennen. So ist das halt.

 

 

Ich sage oft: Das, was wir Realität nennen, ist nur das, auf das wir uns alle einigen können.

Ja, genau.

 

 

Wahrscheinlich fühlt sich dadurch jeder hin und wieder unverstanden. Und ist es auch. Sie vielleicht noch etwas mehr als manch anderer. Fühlen Sie sich deshalb einsam?

Überhaupt nicht. Erstens lebe ich natürlich nicht einsam, ganz wörtlich gesehen. Aber auch meine Erfahrungen verbinden mich mit anderen. Früher war ich oft abgetrennt von der Welt. Heute verstehen mich die Menschen vielleicht immer noch nicht, ich sie umgekehrt aber doch.

 

 

Was hat diesen Wandel bewirkt? Eine größere Gelassenheit? Oder mehr Liebe?

Hmmm. Beides vielleicht. Auch wenn einen scheinbar niemand liebt, kann man selbst Liebe geben. Dann kann der andere entscheiden, ob er sie annimmt oder nicht. Das ist seine Angelegenheit, und wenn er es nicht tut, kann ich das inzwischen sehr gut vergeben. Früher fiel mir das viel schwerer. Diese ganze Feindseligkeit, das Böse, war schwer zu begreifen. Ich komme ja noch dazu aus einer Generation, die von Mörder-Eltern abstammt. Die haben praktisch den Leichenhaufen geliefert, auf dem ich sitze – sitzen muss. Dieses Erbe anzunehmen, war besonders schwierig. Aber auch das ist mir mittlerweile gelungen.

 

 

Wie haben Sie das geschafft?

Das erklären zu wollen, habe ich aufgegeben. Denn die wenigsten können das nachvollziehen. Manchmal erntet man für solche Ausführungen sogar Hass – weil man an Dingen rührt, die für viele Menschen nicht begreifbar sind. Dann fühlen sie sich bedroht.

 

 

Selbst Leute aus der eigenen Generation?

Oh ja. Die haben mich sogar zu töten versucht: „Wenn du noch einmal so was sagst, dann bringen wir dich um …“

 

 

Ernsthaft?

Ja, natürlich. Ich habe zeitweise in Berlin sogar Bodyguards gebraucht, weil ich richtig angegriffen wurde. Aber auch das habe ich irgendwann verstanden.

 

 

Wie denn das?

Tja. Manche Dinge begreift man einfach mit der Zeit. Manche auch nicht oder erst sehr spät. Wenn du mit etwas konfrontiert wirst, das du noch nicht verstehst, hast du das Recht, es abzulehnen. Kommt dann jemand, der ständig weiter insistiert, sagst du natürlich irgendwann: „Jetzt halt endlich das Maul.“ Hilft das nichts, wird der Typ zum Schweigen gebracht. Eine uralte Geschichte … Immer wieder wurden Leute für das, was sie gesagt haben, umgebracht. So sind Menschen nun mal. Das bezieht sich übrigens auch auf so ein Thema. (Deutet auf das Veggie Journal vor uns auf dem Tisch)

 

Inwiefern?

Manche fühlen sich ja schon provoziert, wenn man einfach nicht dasselbe isst wie sie. Fassbinder etwa. Als ich in den 70ern begann, mich vegetarisch zu ernähren, konnte der es nicht lassen, mich deshalb immer wieder anzugreifen, auf übelste Weise. (…)

 

 

Den ganzen Artikel gibt’s in der Dezember/Januar-Ausgabe 2014/2015 ab Seite 14, die Sie hier bestellen können. Alle Hefte schicken wir Ihnen portofrei zu.

 

 

 

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