Naturkosmetik: mit gutem Gewissen schön

Naturkosmetik_mit gutem Gewissen schön

Mandy „Erbse“ Huth betreibt den erfolgreichsten veganen Beautyblog Deutschlands „Blanc et Noir“. Im Interview spricht sie über Roggenmehl, Tierversuche sowie Überzeugungstäter – und warum wir Naturkosmetik eine Chance geben sollten.

Was findet man aktuell in deinem Schminktäschchen?
Im Moment trage ich ständig den dunklen, lilaroten Lippenstift von Nui Cosmetics, einem Naturkosmetiklabel aus Berlin. Lilarot ist meine absolute Herbstfarbe und ich liebe den kühlen Unterton des Lippenstifts. Er lässt die Zähne richtig weiß leuchten. Ein jahrelanger Begleiter ist aber auch dabei: Das helle Kompaktpuder von Alterra. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie häufig ich das bereits nachgekauft habe. Und meine spärlichen Augenbrauen fülle ich mit einem Stift von Benecos auf. Alle drei Produkte sind vegan und selbstverständlich tierversuchsfrei. Was anderes kommt mir nicht ins Schminktäschchen.

Wie bewertest du, ob ein Label bzw. ein Produkt vegan ist?
Die sicherste Möglichkeit ist es, nach einem entsprechenden Siegel Ausschau zu halten, das kontrolliert und geschützt ist. Dazu zählt z.B. das Vegan-Siegel der englischen Vegan Society. Da aber nicht alle veganen Produkte damit gekennzeichnet sind, ist die Auswahl überschaubar. Deshalb wälze ich immer wieder Inhaltsstofflisten (INCI), aber schreibe ebenso regelmäßig Marken an und bitte sie um ein Statement zu ihrer ethischen Position und stelle Fragen zur Tierversuchspolitik.

Was überprüfst du dann?
Ich gucke, zu welchen Mutterkonzernen die Marken gehören und ob diese mit Tierversuchen in Verbindung stehen, aber auch, ob sie nicht nur innerhalb der EU auf Tierversuche verzichten, sondern dies ebenfalls in anderen Ländern so handhaben. In China beispielsweise sind Tierversuche leider immer noch gesetzlich vorgeschrieben. Marken, die dort lancieren, kann ich deshalb nicht als tierversuchsfrei oder gar vegan einstufen.

Wie wird denn bei tierversuchsfreier Kosmetik getestet, ob eine Creme der Haut schadet oder ein Shampoo eine Allergie auslöst?
Gerade bei Kosmetikprodukten erübrigen sich viele der Tests, da unter den eingesetzten Rohstoffen bereits über 8000 altbewährt sind und in der Vergangenheit ausreichend geprüft wurden. Für innovative, neue Formulierungen werden sogenannte In-Vitro-Tests durchgeführt. Im Reagenzglas prüft man die Reaktionen verschiedener Zellkulturen auf Kosmetikstoffe. Sie werden im Bezug auf deren Giftigkeit, Hautreizung, Allergiepotenzial, Schleimhaut- und Augenreizung, Schädigung und durch Sonnenlicht getestet. Oder z.B. auch, ob diese Krebs auslösen oder eine Schwangerschaft beeinträchtigen können. Bei nicht nicht-tierversuchsfreier Kosmetik werden diese Tests am lebenden Organismus durchgeführt, woran zahlreiche Tiere leiden und sterben.

Apropos Gift: Aluminium unterm Arm, Mineralöl auf der Haut – wie gefährlich ist herkömmliche Kosmetik?
Ich denke, dass die Kosmetikprodukte gerade innerhalb der EU die wohl sichersten auf der ganzen Welt sind. Oft macht die Dosis das Gift. Wer kein erhöhtes Allergierisiko gegen die eingesetzten Stoffe, keine „Problemhaut“ oder Erkrankungen hat, muss sich nicht vor herkömmlicher Kosmetik fürchten. Für unsere Umwelt macht es allerdings einen viel größeren Unterschied, denn einige der Inhaltsstoffe in herkömmlichen Kosmetikprodukten sind umweltschädlich und können nicht abgebaut werden. Dadurch landen sie im Grundwasser, in den Meeren, in der Luft, in den Tieren und natürlich auch in unseren Körpern. Das Angebot von veganer Naturkosmetik wächst ständig und in diesem Segment gibt es viele tolle Produkte, die weder dem Körper noch der Umwelt schaden.

Nun sind diese Produkte oft sehr preisintensiv. Warum lohnt sich deiner Ansicht nach trotzdem der Griff zu Naturkosmetik?
Naturkosmetikunternehmen sind oft richtige Pioniere. Sie sind überzeugt von ihrer Sache und setzen sich für ihre Ideale ein. Sie haben sich aus voller Leidenschaft für die Naturkosmetik entschieden. So konnte ich die Branche vor vielen Jahren kennen und lieben lernen.

Vergleichbar motiviert ist man bei herkömmlichen Beauty-Marken vermutlich nur in der Indie-Szene …
Genau. Die Inhaltsstoffe echter Naturkosmetik stammen zum größten Teil aus kontrolliert biologischem Anbau und manche sogar aus zertifizierter Wildsammlung. Exotischere Stoffe werden nicht selten durch unterstützende und faire Kooperativen in den entsprechenden Anbauländern gewonnen. Tierversuche, umweltrelevante Inhaltsstoffe und Extrakte von toten Tieren sind in der kontrollierten Naturkosmetik verboten. Genauso wie zahlreiche synthetische (Konservierungs-)Stoffe, die Allergien auslösen können. Viele Naturkosmetikmarken achten zudem auf die Verpackungen ihrer Produkte und verzichten auf unnötige Umverpackung oder zu viel Plastik.

Zu guter Letzt: Welchen guten DIY-Kosmetik-Tipp kannst du weitergeben?
Für die alltäglichen Kosmetika müssen wir eigentlich nur einen Blick in unseren Vorratsschrank werfen und ein großes Kosmetikwissen ist für die Basics gar nicht notwendig. Ich schminke mich jeden Abend zum Beispiel einfach nur mit einem guten Bio-Distelöl ab, da es keinen fettigen Film auf der Haut lässt und selbst wasserfeste Schminke im Handumdrehen abbekommt.

Bio-Speiseöle sind ohnehin eine prima Möglichkeit, um sich den Körper und auch die Haare zu pflegen …
Ja, rauhe, schuppige und schorfige Haut wird mit Olivenöl geschmeidig und weich. Glättend und rückfettend wirkt Kokosöl und ist für mich der perfekte Bodylotionersatz. Und gegen leichte Unreinheiten hilft ein Maskenpeeling aus Haferkleie, Rosenwasser und einem Schluck Rizinusöl. So richtig minimalistisch wird es mit „Shampoo” aus Roggenmehl. Dafür wird einfach etwas Roggenmehl in Wasser aufgelöst und das dann wie normales Shampoo in die Haare massiert und ausgewaschen. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas verrückt, aber es wirkt!

Info:

Zwischen Kosmetik-Gebirgen, vor dem Monitor und umkreist von Katzen fühle sie sich einfach wohl, meint Mandy Huth alias „Erbse“ . So verwundert es kaum, dass sie leidenschaftlich gerne bloggt. Ihre Lieblingsthemen: vegane Kosmetik für Frauen und Männer, Tierversuche und Nachhaltigkeit. Wer etwa wissen möchte, ob seine Kosmetik-Produkte vegan und/oder tierversuchsfrei sind, wird auf auf ihrem Blog „Blanc et Noir“ fündig.

www.kosmetik-vegan.de