Moby: „Ich war ein gesunder Süchtiger“

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Er war schon Veganer, als das Wort kaum jemand kannte. Musiklegende Moby sprach mit uns über Smoothies nach Drogennächten, den kleinen Fleischesser, der ihn zum Pflanzenfan machte und sein Leben als Tierschutz-Aktivist …

 

Text-Auszug:

 

Moby wolle keine dummen Fragen mehr gestellt bekommen, stand mal in der Süddeutschen Zeitung. Eine Info, die man als Journalistin kurz vor dem Interview lieber nicht im Kopf hätte.Wie schnell kann ich mich gleich selbst ins Aus schießen? Zum Glück gibt sich der Multiinstrumentalist am Telefon dann aber entspannt und freundlich. Vielleicht, weil er den Promotion-Aufwand für sein neues Album „Innocents“ vergleichsweise stressfrei gestaltet hat? So besteht die gesamte Tour dazu etwa aus lediglich drei Shows, die alle in der Nähe seines Hauses in Los Angeles stattfinden. Er ist des ständigen Rumreisens müde, zumindest zurzeit. So erreiche ich ihn auch jetzt in seinem kalifornischen Zuhause …

 

Ich habe gelesen, dass du Listen liebst. Welche hast du zuletzt geschrieben?

Welche war das gleich? Moment …Ich glaube, die mit den kleinen Fakten zu meinem Album, in meinem Online-Tagebuch. Es stimmt, ich mag es, Information in viele kleine Stückchen aufzuteilen. Keine Ahnung, warum mein Hirn da so darauf steht.

 

 

Mein Hirn liebt es, Geburtsdaten zu speichern.

Oh, ich wünschte, das täte meins auch! Ich vergesse ständig Geburtstage, das gibt manchmal ganz schön Ärger. Wann genau mein Album erscheint, weiß ich leider auch nicht.

 

In Deutschland am 27. September. Das Coverbildvon „Innocents“ hast du ja selbst fotografiert. Weißt du, was mein erster Eindruck war, als ich es gesehen habe? Ich fühlte mich schuldig.

Interessant.

 

 

Ja – es war, als wenn diese unheimlichen Wesen mich anklagen würden. Dann las ich im Pressetext, dass sie ihre Masken tragen, weil sie sich für etwas schämen. Nun bin ich etwas verwirrt

Ach, warum denn? Das ist doch das Schöne an Kunst: Sie kann so viele verschiedene Dinge in dir auslösen, so unterschiedlich auf Menschen wirken. Viele Künstler versuchen zu kontrollieren, wie Leute auf ihre Werke reagieren, was sie darin sehen oder hören. Das kann nicht gelingen. Soll es auch gar nicht!

 

Dann kann ich ja gleich noch etwas gestehen: Beim Anhören deiner Songs fühle ich mich manchmal wie auf einem Drogen-Trip. Auf einem angenehmen, dem kein Kater folgt. Denkst du, Drogen und Musik haben etwas miteinander zu tun?

Nun ja, Musik und Drogen – diese Verbindung hat natürlich Geschichte. Man denke nur an LSD und den Psychedelic Rock in den 60ern. Ich habe selbst habe auch eine Weile alles genommen, was ich in die Finger bekommen habe und außerdem Unmengen Alkohol getrunken.

 

Dafür siehst du aber ganz schön fit aus, soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann.

Ja, ich war ein relativ gesunder Süchtiger. Am Morgen nach einem heftigen Rausch habe ich mir einen Smoothie gemixt und einen veganen Burrito gegessen. Paradox, was? Einerseits habe ich mir all dieses giftige Zeug reingepfiffen, andererseits auf meine Ernährung geachtet. Meine Freunde fanden das komplett verrückt. Deren Katerfrühstück bestand eher aus Rührei mit Speck und Zigaretten. Seit fünf Jahren bin ich allerdings clean. Ich nehme keine Drogen mehr, und auch vom Alkohol lasse ich die Finger. Besser so, ich finde da einfach kein Maß.


Vielleicht aber noch süchtig nach Kreativität? Du fotografierst, schreibst Songs … Gehörst du zu den Künstlern, die ihre Arbeit brauchen wie Essen, Trinken oder Schlafen? Die nervös werden, wenn sie eine Weile nichts geschaffen haben?

Gute Frage. Ich liebe es, Musik zu machen, genieße es wirklich sehr. Aber ob das wirklich vergleichbar ist mit solch einem Grundbedürfnis? Eher nicht. Ich kann durchaus auch mal abschalten. Wobei, wenn ich recht überlege – ein wenig unruhig werde ich schon, wenn ich eine Weile nicht kreativ war. Was mich übrigens speziell bei Musik fasziniert: Du kannst nebenbei noch etwas anderes tun. Nicht so wie zum Beispiel bei Literatur – wenn du ein Buch liest, musst du dich darauf konzentrieren. Ich stelle mir manchmal vor, in welchen Situationen Menschen meine Songs hören. Sind sie gerade auf dem Weg zur Arbeit? Haben sie Sex? Kommen sie von einer Beerdigung? Hören sie die Lieder auf einem kaputten iPod in ihrer Küche oder auf einer teuren Anlage? Das alles ist möglich, ist das nicht bemerkenswert? Ich liebe die Intimität, die darin steckt. Du begleitest die Leute bei ihrem Leben.

 

Langsam bekomme ich glatt Lust, Musikerin zu werden. Schade, dass mein Talent nicht ausreicht.

Ach, das ist keine Frage des Talents. Du brauchst einfach gute Software. (lacht)

 

Danke für den Tipp! Man lernt nie aus … Apropos lernen: Du hast mit einer Reihe großartiger Künstler zusammengearbeitet …

Oh ja! David Bowie, New Order, Ozzy Osbourne …

 

Hast du aus diesen Projekten etwas fürs Leben mitgenommen?

Interessante Frage, lass mich nachdenken … Doch, eine wirklich gute Lektion habe ich mitgenommen: Die glücklichsten Menschen sind die, die am Ball bleiben, die nicht aufhören zu arbeiten. Wir sprachen ja eben davon, inwiefern kreativ zu sein ein Grundbedürfnis ist. Vielleicht ist es das in gewisser Weise wirklich, man muss sich nur manchmal daran erinnern. Ich versuche, es so zu halten: Ob die Dinge schlecht laufen oder gut, ob du Erfolg hast oder nicht – arbeite weiter! Solange ich arbeite, bin ich relativ glücklich.

 

Neben deiner Arbeit als Musiker engagierst du dich auch für den Tierschutz. Du bist zum Beispiel seit den 80-ern Veganer …

Stimmt! Letztes Jahr an Thanksgiving habe ich mein 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Davor war ich etwa zwei Jahre lang Vegetarier (…)

 

 

Den ganzen Artikel gibt’s in der Oktober/November-Ausgabe ab Seite 14!