Gender-Food: Die Zweiteilung der Supermärkte

plum-361164_1280 sausage-361771_1280


Kastration durch Karottenverzehr, Bartwuchs durch scharfe Gewürze? Sind Veganer „echte“ Männer und hat die Lady, die da gerade einen Riesenberg Frittiertes verputzt, auch ordentlich ihre Frauenzeitschrift gelesen? Es ist so weit: Nachdem es Marketing-Strategen längst gelungen ist, die Spielzeugabteilungen strikt zweizuteilen, sind seit einiger Zeit die Supermärkte dran, wo immer mehr Produkte zu finden sind, die angeblich jeweils genau den Geschmack der einen Hälfte der Menschheit treffen.


Zuletzt geisterte kürzlich eine (Hetero-)Pärchen-Packung Hähnchenschnitzel durch die sozialen Netzwerke, mit einer pinkgefärbten Packungshälfte, die fruchtige Würze versprach, während es auf der blauen Gegenseite hübsch „männlich“ zuging, also scharf natürlich und blau gewandet. Als Veggies greifen wir zwar ohnehin nicht zu diesem Lebensmittel, doch es ist ja nicht das einzige seiner Art. Grillsaucen, Kartoffelchips, Limonaden, Essiggurken, Schokolade und und und gibt’s seit einigen wenigen Jahren vermehrt „gegendert“. Fettarme Cremigkeit hier, feurige Power dort, damit auch ja alle wissen, wie sich ein „richtiges Mädchen“ (merke: dieses Geschlecht möge bitte dauerjung bleiben!) oder ein „echter Kerl“ zu ernähren haben

 

Zwingt dich doch niemand, das zu kaufen!“ Klar, man könnte das Ganze als harmlose Spielerei abtun, würde nicht genau durch diese Art von ewiger Augenzwinkerei stereotype Rollenklischees in unseren Köpfen manifestieren, die unter anderem dazu führen, dass sich z.B. der einfühlsame Mann, der Rosa mag und am Stammtisch einen Gartensalat mit Tofustreifen bestellt, immer noch von vielen belächeln lassen muss, obwohl es dafür nicht einen vernünftigen Grund gibt. Aber klar – ein Mann, der kein Fleisch isst, ist noch um ein Vielfaches suspekter als eine Dame mit Gemüsespieß, gelten Steak & Co. doch immer noch als ganz besonders „männlich“. Alltags-Sexismus in Reinkultur. Lassen wir uns also nicht in armselige zwei Schubladen stecken, sondern feiern die Vielfalt – lassen Sie es sich schmecken!

 

Einen ausführlichen Artikel („Sind Gemüsespieße weiblich?“) zum Thema „Gender Food“ finden Sie übrigens in unserer Ausgabe 6/14!