Vegan Vanlife: Bloggerin Anina Gepp im Interview

Foto: Anina Gepp

Für die Kochbuchautorin und Bloggerin Anina Gepp ist das Leben eine Reise.
Seit über einem Jahr lebt sie gemeinsam mit ihrem Partner in einem ausgebauten Van. Ein Gespräch über ihren Alltag und ihr zweites Kochbuch „Vantastic Kitchen”.

Von: Xenia Waporidis

Im Mai 2021 ging es für dich und deinen Partner los: Ihr habt Wohnung gegen
Van eingetauscht. Was hat euch zu dieser großen Entscheidung bewegt?

Wir haben mehrmals einen Campervan gemietet und damit erst Portugal und dann Schweden erkundet. Das Konzept des Lebens auf vier Rädern hat uns so begeistert, dass aus einer anfänglichen Spinnerei und Träumerei irgendwann eine wirkliche Idee entstand, einen eigenen Van auszubauen und für längere Zeit loszuziehen. Bis es so weit war, gab es natürlich einige Hürden zu überwinden. Chris arbeitete damals noch Vollzeit als Marketingmanager im Büro und musste erst seinen Job kündigen. Das war ein großer Schritt. Und natürlich galt es auch zu überlegen, was mit der Wohnung passieren sollte. Nach langem Überlegen entschieden wir uns dafür, unseren schönen Altbau aufzugeben und alles auf eine Karte zu setzen. (lächelt)

Wo wart ihr bereits?

Gestartet sind wir von der Schweiz aus nach Griechenland, danach ging es nach Schweden und Norwegen, weiter nach Italien und dann nach Spanien. Überwintert haben wir auf den kanarischen Inseln. Kulinarisch war Italien am spannendsten. Die Vielfalt an Gemüse und Obst ist überwältigend. Aber auch in Restaurants und Cafés waren wir überrascht, dass sehr viele traditionelle Klassiker inzwischen auch veganisiert werden. Das hat mich sehr inspiriert – beispielsweise zum leckeren Tiramisu im Kochbuch.

Im neuen Van-Zuhause ist auch dein zweites Kochbuch „Vantastic Kitchen”
entstanden. Wie gut funktioniert kochen und backen auf 6 Quadratmetern?

Unglaublich gut! Ich fühlte mich in meiner kleinen Küche sehr schnell wohl. Ich habe alles, was ich brauche. Der größte Unterschied ist neben der kleinen Arbeitsfläche wohl, dass mir nur zwei Herdplatten zur Verfügung stehen und ich mit den Ressourcen bewusster umgehe. Wir haben nicht endlos Wasser, nach 100 Litern ist Schluss. Diese sollen schließlich auch noch zum Duschen und nicht nur für die Küche reichen. Gebacken wird im Gasbackofen, was mit ein wenig Übung ebenfalls sehr gut gelingt. Mit Abstand der größte Vorteil der Van-Küche ist die Aussicht: Sie wechselt fast täglich und ich habe die Rezepte
für mein Buch an Orten gekocht, die man schöner nicht hätte malen können. Dieses Gefühl, fast unter freiem Himmel zu kochen und draußen zu essen, ist unbeschreiblich.

Gutes Stichwort! Oft entscheidet ihr euch für Orte mit traumhaftem Ausblick – weit weg von der nächsten Stadt. Welche Zutaten sollten immer da sein, um einen nahrhaften Snack zaubern zu können?

Gefüllte Snackdatteln habe ich immer auf Vorrat im Gefrierfach oder Kühlschrank. Sie sind im Handumdrehen mit wenigen Zutaten gemacht und halten lange. Meistens essen wir sie aber sehr rasch, weil sie so lecker sind. Die Datteln sind der ideale Snack vor oder nach dem Sport oder auch abends, wenn noch ein Betthupferl her soll. (lacht)

Lass uns über Nachhalitgkeit sprechen. Wie „grün“ ist denn das Leben im Van?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten, weil es auf viele Faktoren ankommt.
Grundsätzlich verbrauchen wir im Van weniger Ressourcen, weil wir keine Wohnung mehr beheizen, zu zweit nur ungefähr 200 Liter Wasser pro Woche verbrauchen und bewusst einkaufen und essen. Das Reisetempo ist aber auf jeden Fall entscheidend. Die nachhaltigste Variante ist, wenn man sich wirklich Zeit nimmt für die Destinationen und nicht ständig Tausende Kilometer zurücklegt. Dann gibt es auch bezüglich Ausstattung viele Dinge, die berücksichtigt werden können. Wir haben z.B. eine Kompost- statt Chemietoilette an Bord. Ich denke, dass es beim Vanlife, wie auch
zu Hause in einer Wohnung, darum geht, sich immer wieder aufs Neue Gedanken zu machen, was wie und wo optimiert werden kann. Über alles gesehen, ist gerade die pflanzliche Ernährung eine Stellschraube, die am einfachsten verändert werden kann, aber die eben gleichzeitig auch den größten Einfluss hat.

Eine letzte Frage noch: Ihr lebt das Leben, von dem viele träumen: freie
Zeiteinteilung, Natur und harmonische Zweisamkeit. Ist die Wirklichkeit
tatsächlich so traumhaft?

Das ist genauso die Wirklichkeit, wie eben auch die Tatsache, dass manchmal die Fetzen fliegen, wir uns auf den Keks gehen und wir an Plätzen übernachten, wo andere nicht einmal für eine kurze Zeit ihr Auto abstellen würden. Kurz gesagt: Vanlife ist eben beides. Wunderbar, fantastisch und grenzenlos, aber auch manchmal anstrengend, überfordernd und nervig. Wichtig für uns ist, dass die schönen Momente uns immer wieder daran erinnern, dass es sich
lohnt, ständig das Klo leeren zu müssen, einen Wasserhahn zu finden oder Stunden damit zu verbringen, einen Schlafplatz zu suchen. Ich würde mich immer für die vielen Möglichkeiten und die unendliche Freiheit entscheiden, die das Vanlife mit sich bringt. Wir übernachten an Orten, an denen nie ein Hotel stehen wird und lernen auf jeder Reise Menschen kennen, die wir in unser Herz schließen und uns für immer in Erinnerung bleiben werden. (lächelt)

INFO:

Gesund, bewusst, nachhaltig – bei der gebürtigen Schweizerin Anina
Gepp passt die Bezeichnung „Sinnfluencerin” besonders gut. Die nun zweifache Kochbuchautorin und Bloggerin zeigt mit ihren Rezepten, wie unkompliziert
pflanzliche Ernährung sein kann. Mit „Vantastic Kitchen” gelingt es ihr sogar unterwegs auf vier Rädern, herrliche Gerichte zu zaubern, wie du auf den folgenden Seiten unschwer erkennen kannst. Trotz traumhafter Yoga-Sessions
vor Sonnenuntergängen an der Küste Griechenlands und romantischem Dinner for two bei Meeresrauschen reflektiert Anina auch kritische Themen wie z.B.
Fair Fashion, bewussten Umgang mit Ressourcen oder queer-feministische Diskurse. Du möchtest Anina bei ihrer Reise virtuell begleiten? Dann schau doch auf ihrem Blog aniahimsa.com oder auf Instagram @aniahimsa vorbei.

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