Vegane Sportler*innen in Topform

Chris Zehetleitner
Foto: Björn Lexius

Chris Zehetleitner
Alter: 39
Wohnort: München
Hauptsportart: Laufen

Putenbrust, Eier, Quark: Die meisten Sportler*innen schwören auf tierische Proteine. Du nicht. Warum?
Hochwertige Eiweißquellen gibt es in der Natur zur Genüge. In meiner Wahrnehmung rechtfertigen viele Sportler*innen mit Lobhuldigungen auf tierische Proteine nur ihre anerzogenen Essgewohnheiten. Beispiele für Spitzensportler*innen im Kraft-, Ausdauer- und Mannschaftssport, die sich rein pflanzlich ernähren gibt es genug. So verkehrt kann diese Ernährungsform für eine*n ambitionierte*n Athlet*in also nicht sein.

Was ist deiner Meinung nach der Vorteil der veganen Ernährung gegenüber der nicht-veganen?
Ich selbst ernähre mich ja nicht dogmatisch vegan. Bei einem Restaurant-Besuch oder in der Bäckerei frage ich beispielsweise nicht jedes Mal nach, wenn ich mir nicht sicher bin. Was den Sport betrifft, gilt nach meiner Erfahrung aber uneingeschränkt das „Scheiße rein – Scheiße raus“-Prinzip. Sprich: Deine Leistung ist nur so gut wie das, was du an Nahrung zu dir nimmst. Frisch zubereitete, pflanzliche Gerichte sind sowohl vor als auch nach dem Training optimal. Zumindest für mich. Darüber hinaus gibt es natürlich auch wichtige ideologische Gründe, warum eine vegane Ernährung einfach Sinn ergibt.

Was landet auf deinem Teller?
Im Gegensatz zu meiner Freundin bin ich ein echter Kohlehydrat-Junkie. (lacht) Wenn eine längere oder harte Laufeinheit ansteht oder danach, um die Speicher wieder aufzufüllen, esse ich viel Pasta, Ofenkartoffeln, Curry-Gerichte mit Süßkartoffeln, aber auch viel Tempeh, Seitan und Tofu. Mein Favorit am Morgen ist ein Dinkel-Weißbrot namens Fruetzi mit veganem Schokoaufstrich oder Alsan-Margarine und Marmelade. Über den ganzen Tag verteilt viele Nüsse, Datteln, Schokolade, Popcorn … das klingt jetzt alles gar nicht so asketisch-„sportlermäßig.“ (lacht)

Wie oft trainierst du pro Woche?
Ich bin seit ca. fünf Jahren Läufer und trainiere im Moment sechs Einheiten pro Woche als Vorbereitung für den Boston-Marathon im April. Damit komme ich auf ca. 100-120 Kilometer pro Woche. Gut ausgesehen habe ich auch schon, als ich noch 105 Kilo gewogen habe. Mir geht es beim Training primär darum, in einem strukturierten Rahmen auszureizen, was als Freizeit-Athlet möglich ist. Unabhängig davon gibt es auch viele Lauf-Einheiten, die einfach so Spaß machen. Ich persönlich liebe Intervall-Sessions auf der Tartanbahn!

Was hältst du von „Cheat Days“?
Ich finde diesen Begriff furchtbar! Sich selbst zu bescheißen, ist völlig Panne und auch beim Ansatz „Essen als Belohnung“ sollte man vorsichtig sein, das geht schnell nach hinten los. Was ich aber total liebe, ist der eine hochoffizielle „Day Off“, den ich jede Woche habe. Gerade beim Lauftraining ist es unheimlich wichtig, Phasen der Regeneration zu haben. Einmal pro Woche überhaupt nicht zu laufen, hat bei mir sowohl physisch als auch psychisch einen enorm positiven Effekt.

Welche sportlichen Vorbilder hast du?
Eine der ersten Weisheiten, die ich beim Laufen gelernt habe ist: „Egal wie schnell du bist, es ist immer einer schneller“. (lächelt) Dementsprechend zurückhaltend bin ich auch, wenn es darum geht, irgendwelchen Vorbildern nachzueifern. Was mich interessiert, ist immer das Gesamtpaket, vor allem, was ein Läufer sonst noch mit seinem Leben anstellt und was für eine Persönlichkeit sich aus dieser Mischung entwickelt. Ich mag Scott Jurek sehr, da er sowohl seinen Laufsport als auch seinen veganen Lebensstil seit jeher sehr unaufgeregt vorlebt.

Was fehlt dir noch auf dem Foodmarkt an veganen Sport-Produkten?
Da hat sich die letzten Jahre echt viel getan. Egal ob es um Sport-Drinks, Gels
oder Riegel geht, man bekommt so gut wie alles in zig Geschmacksrichtungen. Was ich cool fände: Wenn auch Veranstalter*innen von Wettkämpfen die Zeichen der Zeit erkennen und an Verpflegungs-Punkten auf der Strecke oder im Ziel eine größere Auswahl an veganen Snacks bereitstellen würden.