Vegane Sportler*innen in Topform

Isabelle Demers
Foto: Isabelle Demers

Name: Isabelle Demers
Alter: 44
Wohnort: Montreal, Kanada
Sportart: Brazilian Jiu Jitsu (Brauner Gürtel)

Putenbrust, Eier, Quark: Die meisten Sportler*innen schwören auf tierische Proteine. Du nicht. Warum?
Ich glaube dem Körper ist es egal ob du Tiere isst oder nicht. Du brauchst hochwertige Nährstoffe und Spurenelemente die du gut verdauen und verwerten kannst.

Was ist deiner Meinung nach der Vorteil der veganen Ernährung gegenüber der nicht-veganen?
Wenn du vegan lebst, bist du quasi gezwungen, dich tiefer gehend mit Ernährung zu beschäftigen. Das alleine finde ich sinnvoll und hilfreich. Das gleiche gilt auch für die ethischen Aspekte, die für mich als Teenagerin anfangs entscheidend waren. Ich habe durch den Veganismus wahnsinnig viel gelernt.

Was landet auf deinem Teller?
Meine typischen Mahlzeiten sind ein bisschen ungewöhnlich. Ich esse kein Soya, egal in welcher Form und seit ca. 6 Monaten ernähre ich mich streng ketogen*. Deshalb esse ich viele Samen, hauptsächlich Kürbis und Hanf sowie einige fetthaltige Nüsse, wie Pecan, Walnuss und Macadamia. Außerdem liebe ich Kokosnussöl, das ist so was wie mein Markenzeichen (lacht). Und natürlich Gemüse. Ein typisches Essen wäre also grüner Salat mit Kernen und Öl. Als Snack, Protein-Supplement mit Nüssen, rohem Kakao oder hochwertigem Öl.

Wie oft trainierst du pro Woche? Machst du Sport, um besser auszusehen?
Mein Trainingsplan hat 6 Tage mit 2-3 Einheiten pro Tag und einer Gesamtdauer von 4-5 Stunden täglich. Als erstes mache ich eine Einheit Brazilian Jiu Jitsu, was auch mein Hauptsport und meine Priorität ist, gefolgt von einer langen Einheit Powerlifting. Abends habe ich manchmal Training im Ringen oder noch mal Jiu Jitsu. Das ist meine Leidenschaft und ich möchte immer besser werden in dem was ich tue. Wenn ich dadurch besser aussehe, ist das ein willkommener Nebeneffekt.

Was hältst du von „Cheat Days“?
Was Cheat Days betrifft, die habe ich eigentlich nicht. Einfach weil ich kein Verlangen danach habe. Das was ich esse, genieße ich jeden Tag und das macht mich zufrieden. Ich kann aber verstehen, warum manche Menschen Cheat Days brauchen.

Welche sportlichen Vorbilder hast du?
Ich habe keine bestimmten Vorbilder aber es gibt eine Reihe von Menschen die ich für ihre Ausdauer bewundere oder für die Grenzen die sie durchbrochen haben. Manche Athleten haben so viel geleistet, dass finde ich ziemlich inspirierend.

Was machst du für deine mentale Fitness?
Für mich ist es das normalste auf der Welt, morgens auf zu stehen und zum Training zu gehen. Darüber denke ich nicht nach, ich mach das einfach. Die Einstellung im Wettkampf ist da schon eine andere Sache. Daran arbeite ich auch. Ich versuche mir meine Fähigkeiten bildlich vorzustellen und wie ich sie anwenden kann, anstatt über meine Gegner*innen nachzudenken.

Was fehlt dir noch auf dem Foodmarkt an veganen Sport-Produkten?
Mittlerweile gibt es in Kanada eine Menge Hersteller*innen die wirklich gute Nahrungsergänzungsmittel für Sportler*innen machen, aber ich würde mir mehr Geschmacksrichtungen bei Protein-Supplementen wünschen. Und ich fände es schön, wenn im Ketogen-Bereich auch eine vegane Entwicklung stattfinden würde.

Wie reagieren deine Sport-Kolleg*innen auf deine Ernährung?
Nun ja, meine Ernährung erzeugt wirkliche alle Arten von Reaktionen. Ich bin ziemlich klein und leicht aber auch sehr stark und top fit. Darum habe ich über die Jahre alles schon mal gehört. Das Gute wie das Schlechte.

Welchen Tipp hast du für Couch-Potatos?
Alles was ich dazu sagen kann, ist: Je mehr Energie du hast, um so mehr kannst du die kleinen Dinge im Leben genießen. Aber das ist nur meine Meinung.

* Bei der ketogenen Diät bilden Fette den Hauptbestandteil der Nahrung während Kohlenhydrate auf ein Minimum reduziert werden. Der Proteinanteil wird nach individuellem Bedarf errechnet. Ziel ist die Ketose, eine Form des Stoffwechsels, bei der der Energiebedarf des Körpers nicht durch den Abbau von Kohlenhydraten sondern von Fettsäuren gedeckt wird.