In Teufels Küche?

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Oh, diese reichen It-Girls! Schon im 10. Jahrhundert erlaubte sich eine von ihnen bei Tisch einen unerhörten Fauxpas …

Kaiserin Theophanu (955 oder 960-991 n. Chr.) war schon als Teenie eine extravagante Person – sie badete außergewöhnlich häufig, nämlich einmal pro Woche, trug raschelnde, reich verzierte Seidenkleider und war äußerst belesen.

Das allein schon sorgte für Gerede, doch so richtig entsetzt war die adlige Gesellschaft erst, als die Byzantinerin bei ihrer Hochzeitsfeier mit Otto II. ihr Essen mit einer mitgebrachten goldenen Gabel verspeiste. Ein derartiges Werkzeug galt an europäischen Höfen als geradezu obszön, hatte Gott einen doch nicht umsonst mit Fingern versehen, mit denen man seine Mahlzeiten zum Mund führen konnte. Und war nicht auch der Teufel selbst stets mit so einem widerlich zackigen Ding unterwegs?

Noch über Jahrhunderte hinweg sollte es die uns heute so vertraute Gabel schwer haben, sich ins Bestecksortiment einzufinden – leichter hatten es da Messer und Löffel, von denen die ersten Exemplare noch aus der Steinzeit stammen.

Merke: Normalität ist eine Frage der Perspektive, und was uns heute verwirrt, mag morgen schon ganz alltäglich sein …

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