Bela B: »Ich will nicht meinen Mund halten und still in der Ecke sitzen.«

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Bela B ist Fan von vielem. Musik, Horrorfilme, Augsburger Puppenkiste und Simpsons sind nur wenige Beispiele. Am Vegetarismus interessiert ihn vor allem der politische Aspekt.

 

Text-Auszug:

 

Mir ist ein wenig nostalgisch zumute. Ich bin im Ramones Museum in Berlin. Ramones, DIE Punk-Band überhaupt. Ein passender Ort für ein Interview mit Bela B, dem Schlagzeuger der „Ärzte“, einer der bedeutendsten deutschen Bands, ebenfalls Punk. Sein neues Solo-Album huldigt Country und Rockabilly – auch das recht nostalgisch. Gleich soll es aber um Ernährung gehen. Doch zu Beginn stellt sich heraus: Wir hatten Glück. Zunächst wollte Bela nämlich gar nicht mit uns sprechen.

 

Bela B: Eigentlich ist meine Ernährungsform Privatsache. Aber wo fängt Privatsache an? Ich habe meine Meinung neulich geändert, als bekannt wurde, dass im Europarat durch die Enthaltung Deutschlands Tür und Tor für die Anpflanzung von Genmais geöffnet wurde. In Zeiten, in denen wir teilweise 20 Grad im Januar haben, solche Entscheidungen zu treffen, hat mich so aufgeregt, dass ich mir dachte: „Okay, vielleicht kann ich was in diesem Interview sagen, das ein bisschen was bringt.“ Auf jeden Fall will ich nicht meinen Mund halten und still in der Ecke sitzen. Aber ich bin kein besserer Mensch, weil ich keine Tiere esse.

 

Veggie Journal: Kennst du jemanden, der das behauptet?
Viel zu viele Menschen laufen rum und sagen „Aber ich bin doch Vegetarier!“ Das Dümmste, was ich mal gehört habe, war ein besoffener Schauspieler, der in einem Pelzmantel in einem Skigebiet erwischt wurde. Als man ihn gefragt hat, warum er Pelz trägt, meinte er: „Ich war acht Jahre meines Lebens Vegetarier, da hab ich so viele Tiere gerettet, ich hab mir das Recht erworben, jetzt Pelz zu tragen.“ Okay, so funktioniert diese Welt jetzt also?
Inwiefern hältst du Essen und Ernährung für Privatsache?
Das ist ein sehr persönliches Thema und eigentlich wieder nicht, weil es in den letzten Jahren mega in den Fokus gerückt ist. Ich habe mir selber über Ernährung nie so viele Gedanken gemacht, war als Rock‘n‘Roll-Typ auch ein bisschen selbstzerstörungsmäßig unterwegs. In den wilden Drogen- und Punk-Jahren hab ich mich auch meistens von Junk-Food ernährt und fand das super. Ich bin als Kind mit der Currywurst großgezogen worden, die für mich ein traditionelles Berliner Essen ist. Aber jetzt bin ich seit fünf Jahren Vegetarier und „bemühter Veganer“, wie ich mich selbst bezeichne.

 

Was hält dich denn momentan davon ab, komplett umzusteigen?
Es gibt bestimmte Schokoladen oder Süßigkeiten, auch Eis oder so, aber das esse ich nicht oft. Das fällt nicht so ins Gewicht. Bei Käse ist es manchmal anders. Kuh-Käse meide ich eigentlich, außer wenn irgendwo ein Bergkäse steht. Ich lüge mir schon ein bisschen in die Tasche, wenn ich sage: „Ziegenkäse und Schafskäse, der ist von Tieren, die man nicht in einer Massentierhaltung halten kann.“ Aber das sind eben auch schwangere Weibchen, die Milch produzieren.

 

Also ist es hauptsächlich der Käse, der es dir schwer macht?
Da werde ich einfach schwach. Aber das soll angehenden Veganern natürlich nicht Mut machen. So à la „Och, dann esse ich auch Käse“. Das ist zwar kein Verbrechen. Ich sehe Fleisch- und Käseesser auch nicht als Verbrecher an. Doch ich denke, wenn du alles frisst, was dir vorgesetzt wird und dir überhaupt keine Gedanken darüber machst, dann schadest du dir am Ende selbst. Wir müssen einfach versuchen, toleranter zu sein.
Von beiden Seiten.
Von beiden Seiten, ja. Es fängt damit an, dass Leute viel weniger Fleisch essen sollten. Ein Freund von mir ist zwei Meter groß, ein voluminöser Typ. Der kann an keiner Döner- und Pommesbude vorbeigehen. Mein Ziel ist, dass der das wenigstens zwei bis drei Tage die Woche lässt. Auf der anderen Seite ist natürlich der erhobene Zeigefinger, das Vegane, das schlimmste Aushängeschild, um eine Wendung herbeizuführen. Ein Fleischesser will sich nicht schlecht fühlen. Der geht dir einfach aus dem Weg. Das bringt‘s ja auch nicht. Das Umdenken muss sanft vonstattengehen. (…)

 

Den ganzen Artikel gibt’s in derApril/Mai-Ausgabe 2014 ab Seite 14!

 

Beitragsbild: ©Konstanze Habermann

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